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Lebensübungen > Der Weg zum wahren Leben
 


1. Gebot



1. Und Gott redete all diese Worte und sprach:
2. Ich bin Jehovah, dein Gott, Der dich aus Ägyptenland, aus dem Hause der Knechte herausgebracht hat.
3. Du sollst keine anderen Götter haben vor Meinem Angesicht.
4. Du sollst dir kein Schnitzbild, noch irgendein Abbild dessen machen, was im Himmel oben, noch dessen, was auf Erden unten, noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist.
5. Du sollst sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; denn Ich bin Jehovah, dein Gott, ein eifriger Gott, Der da heimsucht die Missetat der Väter an den Söhnen bis ins dritte und vierte Glied, bei denen, die Mich hassen;
6. Und tue Barmherzigkeit an Tausenden, die Mich lieben und Meine Gebote halten.
(2 Mose 20)



Geistige Sonne Band 2
73. Kapitel – Schulhaus der 12 göttlichen Gebote 
(im Jenseits, womit gezeigt wird, dass die Gebote universell sind, alles beinhalten und für alle Zeiten überall im Dies- und Jenseits gelten!). 
Erster Saal – Erläuterung des 1. Gebotes.



[GS 2.73.1] Wir dürfen von hier keine gar große und weite Reise machen, der nächste Garten wird sogleich vor unseren Augen stehen. Sehet hin, in einer mäßigen Entfernung begrüßen uns schon unabsehbar weit gedehnte Baumreihen, hinter denen wir einen überaus großen und ebenmäßig prachtvollen Palast erblicken. Das ist schon der Garten, in welchen wir zu kommen haben, in diesem werdet ihr sogar auch diejenigen Kinder antreffen, die euch der Herr auf der Erde genommen hat.

2] Ob ihr sie aber sogleich erkennen werdet, das ist freilich wohl eine andere Frage; denn im Geiste haben die Kinder nicht mehr das Anähnelnde der Gestalt ihrer irdischen Eltern, sondern nur das Anähnelnde in entsprechendem Maße nach der Aufnahmsfähigkeit für das Liebegute und Glaubenswahre aus dem Herrn mit dem Herrn. – Dessen ungeachtet aber können sie auch bei gewissen Gelegenheiten das irdisch Anähnelnde, welches in ihrer Seele haftet, annehmen und sich dadurch der Form nach denjenigen kennbar machen, welche von der Erde hier anlangen und von den geistigen Verhältnissen noch eben nicht gar zuviel wissen.

3] Wir wollen aber vorderhand nicht zu lange davon sprechen, sondern uns lieber sogleich in den Garten begeben, um uns allda von allem dem mit den eigenen geistigen Augen zu überzeugen, was wir sonst nur mit dem Munde hier ausfechten müßten.

4] An den Baumreihen oder Alleen sind wir schon, in denen ihr die schönsten blumigen Wege entdecket und auch hier und da die Kinder munter auf denselben wandeln sehet. Gehen wir aber nur tiefer hinein, und wir werden uns sobald bei dem erst geschauten Palaste befinden.

5] Sehet, da steht er schon vor uns, und das in einer nahe unabsehbar weit gedehnten Länge. Tausendmal tausend Fenster laufen in einer Reihe fort. Ein jedes ist bei sieben Klafter hoch. Über der Höhe der Fenster entdecken wir noch eine kleinere Fensterreihe, welche jedoch überall genau über den unteren großen Fenstern zu stehen kommen.

6] Ihr saget und fraget hier: Aber um des Herrn willen, ist dieses ganze Gebäude, dieser unabsehbar lange Palast, nur ein einziger Saal? – Ich sage euch: Solches ist er mitnichten, sondern er besteht aus zwölf Abteilungen. In der Höhe aber, wo ihr die zweite Reihe der kleinen Fenster bemerket, läuft ununterbrochen eine herrliche und breite Galerie um den ganzen Saal, von welcher Galerie aus man, ohne die Schüler zu ebener Erde irgendwie zu stören, alle die zwölf Abteilungen nacheinander übersehen und sich da überzeugen kann, was alles in ihnen vorkommt. – Gehen wir aber nun hinein, damit euch alles klar werde.

7] Sehet, da sind wir schon am Eingange. Wir brauchen aber nicht auf die Galerie hinaufzugehen, da wir diesen kleinen Kindergeistern ohnehin zum größten Teile unsichtbar bleiben müssen. Bemerkbar werden wir nur den Lehrern; diese aber sind schon unterrichtet, warum wir hier sind.

8] Nun sehet, hier sind wir schon im ersten Saale. Was sehet ihr in der Mitte dieses großen Saales auf einer weißen Tafel, welche auf einer Säule aufrecht stehend angebracht ist, geschrieben? Ihr saget: Zuoberst die uns wohlbekannte Zahl 1, die sicher die Nummer des Saales sein wird, und unterhalb: 

Weg zur Freiheit des Geistes! – 

Das eins bedeutet, sage ich euch, nicht die Nummer des Saales, sondern es bezeichnet das erste Gesetz Gottes durch Moses.

9] Ihr fraget: Was sollen aber die vielen Kinder, die wir hier schon ziemlich erwachsen erschauen, mit dem irdischen Gesetze Mosis, welches wohl für sterbliche, irdisch ungläubige Menschen gilt, aber doch sicher nicht für Kinder, welche als reine Geister hier schon lange die lebendigste Überzeugung von dem Dasein des einen Gottes haben, indem ihnen solches doch schon bei dem ersten Elementarunterrichte, wie wir gesehen haben, zur Übergenüge lebendigst anschaulich bei jeder Gelegenheit gezeigt wird?

10] Meine lieben Freunde und Brüder, die Sache verhält sich ganz anders, als ihr meinet. Ähnliches findet ihr aber auch auf der Erde, 

allda ihr auch die Kinder fragen und betrachten könnet, wo ihr wollet, und ihr werdet bei ihnen überall einen wirklich lebendigen Glauben an einen Gott antreffen. Denn niemand ist gläubiger als die Kinder, 

und es gibt doch nicht leichtlich irgendein so böswilliges Elternpaar, das seinen Kindern, wenigstens zu Anfang ihres Seins, verweigern möchte, einen Gott zu erkennen [Anm.: inzwischen leider doch nicht selten], da dies jede Religion vorschreibt und den Eltern wenigstens aus politisch-moralischen Gründen zur Pflicht gemacht wird, solches ihre Kinder erlernen und erkennen zu lassen.

11] Sollte man da nicht eben auch glauben, daß solchen von Gott unterrichteten Kindern nach der Zeit kein fernerer Unterricht über Gott not tut? – Ihr müßt da selbst bekennen und sagen: Ja, ein solcher Unterricht tut jedermann bis an sein letztes Lebensende not; denn nur gar zu leicht werden die ersten Eindrücke in den Kinderjahren verwischt, und dann stehen die den Kinderschuhen entwachsenen Menschen da, als hätten sie nie etwas von Gott gehört. Ich sage euch: ein solches Verwischen ist hier freilich wohl nicht leichtlich möglich; aber das müsset ihr doch annehmen, daß diese Kinder, zufolge ihrer frühen Hieherkunft, auf der Erde keine Gelegenheit hatten, die Freiheitsprobe für ihren Geist, welche die eigentliche Lebensprobe ist, zu bestehen. Daher muß diese überaus wichtige Aktion für das Leben des Geistes, hier ins vollste Werk gesetzt werden. Bisher waren diese Kindergeister nur gewisserart geistige lebendige Maschinen. Hier aber handelt es sich ums Lebendigwerden aus ihnen selbst, und darum müssen sie auch alle die Gebote kennenlernen, dieselben dann werktätig an sich selbst erproben und erfahren, wie sich ihr selbst lebendiges geistiges Wesen unter einem gegebenen Gesetze verhält.
12] Und so denn ist auch hier das erste Gebot gegeben, welches da lautet: 

Du sollst an einen Gott glauben und dir nie denken, es gäbe entweder keinen Gott, oder es gäbe zwei, drei oder mehrere Götter.

13] Hier fragt es sich dann freilich wieder weiter: Wie kann man denn demjenigen an einen Gott zu glauben gebieten, der ohnehin an einen Gott lebendig glaubt und keinen Zweifel darüber hat? Das ist fürwahr eine gute Bemerkung; darum aber werden eben hier die Kinder von ihren Lehrern durch allerlei Lehre und Taten in einen solchen Zustand versetzt, in welchem sie von allerlei Zweifeln über das Dasein Gottes behaftet werden, welche Unterrichtsweise man hier die Abödung des eigenen Geistes nennt.

14] Um aber solches bei diesen Kindern zu bewirken, lassen die Lehrer nicht selten die merkwürdigsten Dinge wie zufällig vor den Augen ihrer Schüler entstehen, lassen sie dieselben betrachten und fragen sie dann, ob dazu Gott vonnöten war, den sie doch dabei nicht als handelnd gesehen haben. Sagen da die Kinder, Gott kann solches bloß durch Seinen Willen bewirken, ohne dabei wesenhaft notwendig gegenwärtig zu sein, da lassen die Lehrer ihre Schüler selbst verschiedene Dinge denken, und was da gedacht wird von den Kindern, das steht schon fertig da. Dabei fragen dann die Lehrer die Kinder wieder, wer nun solches getan habe?

15] Dadurch werden schon mehrere ins Zwielicht gebracht. 
  • Einige sagen, solches hätten sie selbst getan, 
  • andere wieder meinen, es haben solches die Lehrer nach dem Erkennen der Gedanken in den Schülern getan. 
  • Einige aber sagen, sie hätten sich solches wohl gedacht; aber es müßte doch ein allmächtiger Gott es zugelassen haben, darum das von ihnen Gedachte als ein vollendetes Werk vor ihnen erschien.

16] Wenn die Schüler so ziemlich noch immer beim festen Glauben an einen Gott verbleiben, da fragen sie dann die Lehrer, woher sie denn das wüßten, daß es einen Gott gebe? Die Schüler antworten ihnen da gewöhnlich: Solches haben uns die ersten weisen Lehrer gelehrt. Nun fragen aber diese Lehrer weiter und sagen: Was würdet ihr denn dann sagen, so wir als die offenbar weiseren Lehrer sagen und lehren, daß es keinen Gott gibt, und daß das alles, was ihr sehet, von uns gemacht und errichtet ist? Und was werdet ihr sagen, wenn wir von uns aussagen, daß wir die eigentlichen Götter sind?

17] Sehet, hier stutzen die Kinder ganz gewaltig und fragen dann die Lehrer, was sie denn nun in diesem Falle tun sollen?

18] Diese Lehrer aber sagen zu ihnen: Suchet in euch, was ihr da tun müßt; gibt es einen Gott, so müsset ihr Ihn in euch finden, und gibt es keinen, so werdet ihr auch ewig keinen finden.

19] Wenn dann die Kinder fragen, wie sie in sich ein solches Suchen anstellen sollten, da sagen die Lehrer: Versuchet, den Gott, den ihr meinet, daß Er ist, in euren Herzen also zu lieben, als wäre Er einer. 

Nehmet in solcher Liebe zu, und wenn es einen Gott gibt, so wird Er euch in eurer Liebe antworten

gibt es aber keinen, da werdet ihr in euren Herzen keine Antwort bekommen.

20] Sehet, hier fangen die Schüler an, in ihr Inneres zu gehen und fangen an, den früher bloß nur kindlich geglaubten Gott im Ernste zu lieben. Aber da geschieht es, daß Sich Gott der Herr nicht sobald meldet, und unsere Kinder dadurch in nicht geringe Zweifel kommen. – Wie sie aber aus diesen gebracht werden, wird der Verfolg zeigen. –

74. Kapitel – Wie soll man Gott suchen?

[GS 2.74.1] Sehet, da sind schon einige, die sich soeben an ihren Lehrer wenden und ihm die Bemerkung machen, daß sie nun im Ernste zu glauben genötigt seien, es gäbe keinen Gott außer den Lehrern, die vor ihnen Wunderdinge leisten, indem sich Gott trotz der Heftigkeit ihrer Liebe, mit der sie Ihn in ihren Herzen erfaßt haben, auch nicht einem unter ihnen zu einer allergeringsten Wahrnehmung gezeigt habe.

2] Was tun aber die Lehrer auf die Äußerung ihrer Schüler? Höret nur den an, an den solcher Bericht ergangen ist: er (der Lehrer) spricht zu seinen Schülern:

3] Meine geliebten Kinder! Es mag wohl sein, daß sich bei euch Gott noch nicht gemeldet hat; es kann aber auch sein, daß er sich gemeldet hat, ihr aber waret zu unaufmerksam und habt eine solche Anmeldung nicht wahrgenommen.

4] Saget mir daher: Wo waret ihr, als ihr Gott in euren Herzen erfaßt habt? Waret ihr draußen unter den Bäumen des Gartens oder auf den Galerien des Saales, oder waret ihr auf dem großen Söller des Saalgebäudes oder in irgendeiner Kammer, oder waret ihr in euren Wohnstuben, welche da außerhalb dieses großen Lehrgebäudes reichlich erbaut sind? Und saget mir auch, was alles ihr hier und da gesehen, bemerkt und empfunden habt.

5] Die Kinder sprechen: Wir waren draußen unter den Bäumen und betrachteten da die Herrlichkeiten der Schöpfungen Gottes, an den wir glauben sollen, und lobten Ihn darob, daß Er so herrliche Dinge gemacht hat. Wir stellten Ihn uns vor als einen recht lieben Vater, der gern zu Seinen Kindern kommt, und haben dadurch auch in unseren Herzen eine große Sehnsucht gefaßt, Ihn zu erschauen und Ihm dann mit all unserer kindlichen Liebe entgegenzueilen, Ihn zu erfassen und nach all unserer möglichen Kraft zu liebkosen.

6] Allein es kam von keiner Seite irgendein Vater zu uns. Wir befragten uns auch sorgfältig untereinander, ob einer oder der andere noch nichts merke vom Vater. Doch ein jeder aus uns bekannte offenherzig, daß er nicht von fernher auch nur etwas Allerleisestes merke.

7] Wir verließen dann den Platz, eilten auf die Söller des Lehrsaalgebäudes und taten da dasselbe. Allein der Erfolg war ganz derselbe wie unter den Bäumen. Wir gingen von da in unsere Wohnstuben, in der Meinung, hier würde uns der Vater am ehesten besuchen, denn wir beteten da viel, und baten Ihn inbrünstig, daß Er Sich uns zeigen möchte. Aber es war alles umsonst! Da wir sonach deinen Rat vergeblich befolgt haben, so sehen wir uns nun genötigt, deiner Lehre beizupflichten, nämlich daß es eher keinen als einen Gott gäbe. Und so haben wir unter uns beschlossen: Wenn es schon irgendeinen Gott gibt, so gibt es aber dennoch keinen ganzen, sondern einen geteilten in all den lebenden und freitätigen Wesen, wie ihr und wir da sind. Gott ist demnach nur ein Inbegriff der lebendigen Kraft, welche aber erst in den Wesen, wie ihr es seid, freitätig sich und andere erkennend und dadurch auch mächtig wirkend auftritt.

8] Sehet hier die kleinen Philosophen, und erkennet aber auch zugleich den Grund oder das falsche Samenkorn, von dem alle diese schlüpfrigen Vernunftsspekulationen die Frucht sind!

9] Was spricht unser Lehrer zu diesen Philosophemen seiner Schüler? Höret, also lauten seine Worte: Meine lieben Kinderchen! Nun habe ich den Grund in euch recht klar erschaut, warum sich euch kein Gott gezeigt hat, weder unter den Bäumen, noch auf dem Söller, noch in den Wohnstuben (das heißt: weder im Forschen in der Natur durch Erfahrungen und Zergliederungen derselben, noch auf dem Wege höherer Vernunft- und Verstandesspekulation, noch in eurem nicht viel besseren als einem Alltagsgemüte), weil ihr schon mit den Zweifeln hinausgegangen seid.

10] Ihr habt Gott nicht bestimmt, sondern allenfalls möglicherweise erwartet. Gott aber, so einer ist, muß ja doch in Sich Selbst die höchste abgeschlossene Bestimmtheit sein. Wenn ihr aber mit der Unbestimmtheit eures Denkens, Glaubens und Wollens die höchste göttliche Bestimmtheit suchtet, wie hätte sich da euch solche wohl offenbaren können? Merket euch demnach wohl, was ich euch nun sagen werde:

11] Wenn ihr Gott suchen wollet und wollet Ihn auch erschaulich finden, da müsset ihr mit der größten Bestimmtheit hinaustreten und Ihn auch so suchen. Ihr müsset ohne den allergeringsten Zweifel fort glauben, daß Er ist, und wenn ihr Ihn auch noch so lange nicht irgend zu Gesichte bekommen solltet, und müsset dann auch mit eurer Liebe Ihn ebenso, bestimmt ergreifen, als wie bestimmt ihr an Ihn glaubet. Sodann wird es sich erst zeigen, ob ihr in eurem Denken, Glauben, Wollen und Lieben die größtmöglichste Bestimmtheit erlangt habt.

12] Habt ihr dieselbe erlangt, wird sich Gott euch auch sicher zeigen, so Er einer ist. Habt ihr aber diese Bestimmtheit nicht erlangt, so werdet ihr ebenso unverrichteter Dinge wieder zu mir zurückkehren, wie es diesmal der Fall war. –

13] Sehet, die Kinder überdenken die Lehre des Lehrers wohl, und eines, scheinbar das schwächste aus ihnen, tritt hin zum Lehrer und spricht: Höre mich an, du lieber weiser Lehrer! 

Meinst du denn nicht, wenn ich ganz allein in mein Wohnstübchen ginge und möchte da Gott den Herrn als den allerliebevollsten Vater allein mit meiner Liebe recht bestimmt ergreifen

indem ich ohnehin noch nie recht daran habe zweifeln können, ob es einen oder keinen Gott gäbe, sondern in mir – aller Gegenbeweise ungeachtet – fortwährend bei einem Gott stehengeblieben bin. Meinst du demnach nicht, Er würde Sich mir zeigen, wenn ich Ihn allein lieben möchte? Denn das viele Denken und Glauben darnach kommt mir ohnehin etwas mühselig vor.

14] Der Lehrer spricht zum Kinde: Gehe hin, mein liebes Kindlein, und tue, was dir gut dünkt; wer weiß vorderhand, ob du nicht recht habest? – Ich kann dir nun weder ein Ja noch ein Nein geben, sondern sage zu dir: 

Gehe hin und erfahre, was alles die Liebe vermag!

15] Nun sehet, das Kindlein läuft aus dem Saale in seine Wohnstube, und die anderen Schüler befragen den Lehrer, ob er die Unternehmung des einen Kindes, das sich jetzt in seine Wohnstube entfernte, dem vorziehe, was sie nun nach seinem Rate zu tun gedenken, nämlich mit aller Bestimmtheit hinauszugehen und nach Gott zu forschen.

16] Der Lehrer aber spricht: Ihr habt gehört, was ich zu dem einen eurer Mitschüler gesagt habe, nämlich weder ein Ja noch ein Nein; eben dasselbe sage ich auch zu euch. Gehet hin oder hinaus; tut, was euch am besten dünkt, und die Erfahrung wird es zeigen, welcher Weg der bessere und der kürzere ist, oder ob der eine falsch oder der andere richtig, oder ob beide falsch oder beide richtig seien.

17] Nun sehet, ein Teil der Kinder erfaßt die Bestimmtheit, ein anderer aber die Liebe allein. Die die Bestimmtheit Erfassenden gehen voll tiefen Denkens, Wollens und festen Glaubens hinaus in den Garten; ein Teil aber begibt sich in die Wohnstuben, um Gott zu suchen. –

18] Aber da sehet hin, soeben kommt das zuerst mit der Liebe zu Gott hinausgeeilte Kind, geleitet von einem schlichten Manne, in den Saal herein und geht geradewegs auf den Lehrer zu. Was etwa wird es wohl vorbringen?

19] Höret, es (das Kind) spricht: Lieber, weiser Lehrer, da sieh einmal her! Als ich in meinem Wohnstübchen den lieben großen Himmelsvater so recht zu lieben anfing, da kam dieser einfache Mann zu mir und fragte mich, ob ich den Vater im Himmel wohl im Ernste so lieb hätte? Ich aber sprach zu ihm: O lieber Mann, das kannst du mir ja aus meinem Angesichte lesen. – Dann aber fragte mich der Mann, wie ich mir den großen Himmelsvater in meinem Gemüte vorstellte. Und ich sagte zu ihm: Ich stelle Ihn mir so wie einen Menschen vor; aber nur muß Er sehr groß und stark sein und auch sicher einen großen Glanz um sich haben, weil schon diese Welt und die Sonne, die ihr scheint, so überaus herrlich und glänzend ist.

20] Hier hob mich der schlichte Mann auf, drückte mich an sein Herz, gab mir einen Kuß und sprach dann zu mir: Führe mich hinüber in den Lehrsaal zu deinem Lehrer; dort wollen wir das Weitere ausmachen und recht gründlich ersehen, wie der Himmelsvater aussieht, wenn Er einer ist, und wie Er alles aus Sich erschafft, leitet und regiert. Und nun siehe, lieber weiser Lehrer, da bin ich nun mit dem schlichten Manne. Was dünkt dir wohl, wer dieser Mann sein möchte, weil er gar so lieb mit mir umgegangen ist?

21] Und der Lehrer spricht in sichtbar allerhöchster Liebe und Achtung: O überglückliches Kind, du hast schon den Rechten gefunden; siehe das ist Gott, unser allerliebevollster Vater! Und der Herr beugt sich nun nieder, nimmt das Kind auf Seinen Arm und fragt es: Bin Ich wohl Der, als den mich dein Lehrer dir angekündigt hat? Und das Kind spricht in großer Aufregung: O ja, Du bist es, das erkenne ich ja an Deiner unendlichen Güte, denn wer sonst ist so gut wie Du, daß er mich auf seine Arme nähme und möchte mich also herzen und kosen wie Du?! Ich liebe Dich aber nun auch so unbegreiflich, daß ich mich ewig nimmer von Dir trennen kann; mußt mich darum nicht mehr hier lassen, lieber heiliger Vater! Denn solche Güte und Liebe habe ich noch nie empfunden wie jetzt auf Deinen Armen! – Und der Herr spricht: Fürchte dich nicht, Mein Kindlein! Wer Mich einmal wie du gefunden hat, der verliert Mich ewig nimmer. Aber nun mußt du ganz stille sein von Mir; denn es kommen auch die anderen Kindlein, die Mich suchten, aber noch nicht gefunden haben. Diese wollen wir auf eine kleine Probe setzen, auf daß sie Mich auch finden sollen; daher sei nun ruhig, bis Ich dir winken werde! –

75. Kapitel – Sehnsucht nach Gott – ein Zeugnis für Sein Dasein.

[GS 2.75.1] Nun sehet, soeben kommen auch die anderen suchenden Kinder herein. Aus ihren Gesichtern läßt sich klar entnehmen, daß sie weder auf die eine noch auf die andere Art Den gefunden haben, den zu suchen sie ausgegangen sind. Sie nähern sich darum zum zweiten Male, ganz schüchtern, ihrem Lehrer, und der Lehrer fragt sie: Nun, meine lieben Kinder, wie sieht es denn aus mit dem Suchen unter den Bäumen oder auf dem Söller oder auf den Galerien oder mit dem Suchen desjenigen Teiles aus euch, die sich vorgenommen haben, den Herrn im Wohnstübchen zu suchen? Wie ich sehe, so zucket ihr alle mit den Achseln; habt ihr denn den guten lieben Vater, den einigen Gott aller Himmel und aller Welten noch nicht gefunden und gesehen? – Wie ist nun euer Glaube bestellt? Habt ihr noch Zweifel über das Dasein Gottes?

2] Die Kinder sprechen: Ach lieber, erhabener Lehrer, was die Zweifel betrifft, so haben wir jetzt deren mehr als ehedem; denn siehe, weder unser festes Wollen, noch unser allerlebendigster Glaube, noch alle unsere gegründetsten Gedanken auf Gott den Herrn, noch unser fester Liebewille haben etwas vermocht. Wenn es irgendeinen Gott und Herrn gäbe, so müßte Er Sich uns doch auf eine oder die andere Art geoffenbart haben; denn siehe, am Ende haben wir uns alle vereint und den festen Glauben gefaßt, daß es einen heiligen, guten, lieben Gott und Vater geben müsse. Wir haben Ihn mit all unserer Liebe erfaßt und bei Seinem von dir uns kundgegebenen Namen gerufen, indem wir sagten: Ach liebster, heiliger Vater Jesus, komme, komme doch zu uns, erhöre unser kindlich Flehen und zeige uns, daß Du einer bist und uns auch lieb hast, wie wir Dich lieb haben! – Und siehe, lieber erhabener Lehrer, also riefen wir eine geraume Zeit hindurch; aber keine Spur ließ sich von irgendeinem himmlischen Vater vernehmen. Es war alles umsonst; daher sind wir nun unserer Sache völlig gewiß, daß es außer euch erhabenen Lehrern keinen anderen höheren Lehrer oder Gott gibt.

3] Wir wollen zwar dadurch noch nicht behaupten und sagen: Unsere Zweifel sind geradewegs auf festen Grund gestellt. Aber das können wir sicher annehmen, daß nach solcher unwirksamer Forschungsmühe über das Dasein Gottes sich eher Zweifel als ein fester Glaube daran erheben können.

4] Aber wir sehen auch den einen, der sich von uns abgesondert hat, mit der alleinigen Liebe den Herrn suchend; hat auch dieser nichts gefunden?

5] Der Lehrer spricht: Meine lieben Kinderchen, darüber kann ich euch vorderhand weder ja noch nein sagen. Die Kinder aber fragen den Lehrer weiter: Lieber erhabener Lehrer! Wer ist denn jener fremde einfache Mann dort, um den sich der eine aus uns herumtut und sieht ihn gar so verliebt an? Ist vielleicht dessen Vater von der Erde hier angekommen?

6] Der Lehrer spricht: Meine lieben Kinderchen, das ist schon wieder etwas, was ich euch nicht sagen kann. So viel aber möget ihr vorderhand zur Kenntnis nehmen, daß jener schlichte Mann gar außerordentlich weise ist, daher müsset ihr euch wohl recht zusammennehmen, so er sich etwa mit euch über dies oder jenes besprechen möchte.

7] Die Kinder sagen: Ach lieber erhabener Lehrer, können denn so ganz einfache Menschen auch weise sein? Denn siehe, wir haben bis jetzt erfahren, daß die Lehrer, bis auf dich, je weiser sie wurden, auch stets erhabener und glänzender ausgesehen haben. Jener Mann aber sieht gar nicht so erhaben und glänzend aus, sondern ist um gar vieles einfacher und schlichter als du. Da kommt es uns dann etwas sonderbar vor, daß er gar außerordentlich weise sein soll.

8] Der Lehrer spricht: Ja, meine lieben Kinderchen, bei der inneren allertiefsten Weisheit kommt es durchaus nicht auf das äußere Glänzen an, sondern da heißt es: Je mehr Glanz von außen, desto weniger Licht von innen, je mehr Licht aber von innen, desto weniger Glanz dem außen nach. – Gehet aber nur hin und fraget ihn einmal um etwas, und ihr werdet euch gleich überzeugen, wie weise er ist.

9] Nun gehen die Kinderchen hin zum Herrn und fragen Ihn noch unbekannterweise: Du lieber schlichter, einfacher Mann! Möchtest du uns denn nicht gestatten, daß wir dich um etwas fragen dürften?

10] Der Herr spricht: O von ganzem Herzen gern, Meine geliebten Kinderchen! Fraget nur zu, und Ich werde Mich mit der Antwort schon zurechtfinden. Die Kinder fragen den Herrn: Da du uns dich zu fragen erlaubt hast, so fragen wir dich gerade um das, was uns allen am meisten am Herzen liegt. Siehe, wir suchen und beweisen schon eine geraume Zeit hin und her, für und dagegen, ob es einen Gott gibt, der da wäre ein überaus guter Vater im Himmel aller Menschen, die nur je irgendwo leben. Wir können aber diesem Vater nirgends auf die Spur kommen, und unser Lehrer selbst will oder kann uns in dieser Sache auch nichts Gegründetes sagen. Das aber hat er uns gesagt, daß du gar überaus weise sein sollst; daher möchten wir wohl von dir erfahren, ob es einen solchen Gott und Vater gibt oder nicht? Wenn du davon irgend etwas weißt, so sage es uns doch. Wir werden dich gar aufmerksam anhören, und es soll deinem Munde kein Wort entschlüpfen, das wir nicht mit der größten Aufmerksamkeit gar sehr beachten möchten.

11] Der Herr spricht: Ja, Meine lieben Kinderchen, da habt ihr Mir freilich eine sehr schwere Frage gegeben, die Ich euch kaum werde beantworten können; denn sage Ich euch, es gibt einen solchen Gott und Vater, da werdet ihr sagen, das genügt uns nicht, solange wir Ihn nicht sehen. Und wenn ihr dann saget, laß uns den Vater sehen, was werde Ich dann zu euch sagen? Ich könnte euch mit dem Finger dahin oder dorthin zeigen, und ihr würdet nichts erblicken; denn wohin Ich auch immer zeigen möchte, würdet ihr dennoch nie euren Gott und Vater finden. Möchte Ich aber zu euch sagen: Kinder, der Vater ist hier unter euch! Werdet ihr es wohl glauben?

12] Würdet ihr nicht fragen: Wo ist Er denn? Ist Er einer aus den Lehrern dieses großen Saales? Und wenn Ich dann zu euch sage: O nein, Meine geliebten Kinder! Was wendet ihr dann tun? Ihr werdet Mich ganz groß ansehen und sagen: Siehe, der Mann hat uns zum besten. Wenn es nicht einer aus den vielen Lehrern ist, wer ist es dann? Du wirst es doch nicht sein? Denn so einfach, schlicht und glanzlos wie du da bist, kann doch der allererhabenste Himmelsvater nicht aussehen!

13] Und wenn ihr Mir dann eine solche Antwort gegeben habt, was wohl soll Ich euch darauf erwidern? Daher solltet ihr Mich gerade um etwas anderes fragen; denn mit der Beantwortung dieser eurer Frage scheint es sich nicht so recht tun zu wollen.

14] Die Kinder sprechen: O lieber, weiser Mann! Siehe, das geht nicht also. An der Beantwortung einer anderen Frage ist uns nichts gelegen; aber daran, ob es einen oder keinen himmlischen Vater gibt, liegt unser ganzes Wohl. Denn gibt es einen Vater im Himmel, so sind wir alle überselig, gibt es aber keinen, so sind wir da, als wären wir alle ohne Grund und wissen nicht, wofür, wodurch und für was? Daher, wenn es dir möglich ist, mache dich nur an die Beantwortung der ersten Frage; darum bitten wir alle dich recht inständigst.

15] Denn daß du ein sehr weiser Mann bist, das haben wir schon aus deiner ausweichenden Antwort entnommen. Daher führe uns dem einen Vater wenigstens nur um ein paar Schritte näher, denn es muß sicher einen geben. Das merken wir daraus, daß wir nach eben diesem himmlischen Vater eine stets größere Sehnsucht bekommen, je mehr Er sich hinter unseren kindlichen Zweifeln verbergen will.

16] Wenn Er schon durchaus nicht wäre, woher käme denn da diese Sehnsucht in uns, die doch auch ebenso lebendig ist wie wir selbst? Mit der Sehnsucht also muß ja auch die Gewißheit über das Dasein eines himmlischen Vaters wachsen!

17] Der Herr spricht: Nun, Meine lieben Kinderchen, ihr nehmet Mir ja gerade das Wort aus dem Munde! Fürwahr, in der Sehnsucht liegt ein gar großer Beweis; was aber ist wohl die Folge der Sehnsucht? Nicht wahr, meine lieben Kinderchen, die Folge wird das sein, daß man sich dessen vergewissern möchte, darnach man sich sehnt. Ihr saget, das sei eine gute Antwort. Ich aber frage euch nun: Was ist denn der Grund der Sehnsucht? – Ihr sagt es Mir, es ist die Liebe zu dem, nach dem man sich sehnt.

18] Wenn man aber etwas im Grunde und in der Fülle der Wahrheit erschauen will, genügt es da wohl, nur bei der Sehnsucht und ihrer Folge zu verbleiben? Ihr saget Mir: O nein, lieber Mann von gar großer Weisheit! Da muß man auf den Grund selbst zurückgehen. Kündet sich da die große Wahrheit nicht an, dann ist alles falsch; kündet sie sich aber da an, so ist man zu der lebendigen Überzeugung gekommen, daß sie ewig nirgendwo anders als nur in ihrem Grunde selbst zu erkennen und zu erschauen ist.

19] Sehet aber nun her, ihr Kinderchen! Dieser eine Bruder aus euch ging diesen Weg; und er hat den Vater gefunden! Fraget ihn, wo Er ist, und er wird mit dem Finger auf den Vater zeigen!

20] Nun fallen die andern über den einen her und verlangen das von ihm. Und dieser eine spricht: O meine lieben Brüder! Da sehet her, den ihr für schlicht und einfach haltet, Der ist es Selbst, den ihr so lange vergeblich gesucht habt, der ist der gute, liebe himmlische Vater – heilig, überheilig ist Sein Name! Glaubet es mir, denn ich habe Seine Herrlichkeit schon gesehen. Glaubet aber nicht darum, weil ich es euch sage, sondern nähert euch alle Ihm mit euren Herzen, und ihr werdet Ihn also wahr und herrlich finden, wie ich Ihn gefunden habe!

21] Sehet, diese Kinder tun nun alle einen Ruf, da sie den Vater erkennen: O Vater, Vater, Vater!!! Du bist es, ja, Du bist es! Denn wir ahnten es mächtig in Deiner Nähe! Da wir Dich aber gefunden haben, so wolle Dich ja nimmer vor uns verbergen, auf daß wir Dich nicht wieder so schwer suchen müssen!

22] Und der Herr spricht: Amen! Kindlein, von nun an sollen eure Gesichter nimmer von Mir abgewendet werden! Werde Ich Mich auch nicht stets also, wie jetzt, unter euch aufhalten, so werde Ich aber doch in jener Sonne dort, die euch leuchtet, zugegen sein! – Das Weitere wird euch euer Lehrer von Mir kundtun. –

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28. — Erklärung der drei ersten Gebote

[GEJ 7.28.1] Sagte die Helias: „Herr und Meister, mir fängt es an zu schwindeln vor dem, was Du mir nun gesagt hast! So Du also schon ganz sicher Der bist, von dem die Propheten also geweissagt haben, – was sollen wir armen Sünder dann nun vor Dir, o Herr, anfangen?“

2] Sagte Ich: 
Nichts als Meine Lehren anhören, 
sie behalten 
und danach leben, 
Gott lieben über alles und seinen Nächsten wie sich selbst, 

und ihr habt dadurch alle die sieben Geister Gottes in euch erweckt und dadurch erlangt das ewige Leben, wie Ich solches ehedem erklärt habe. – Bist du damit zufrieden?“

3] Sagte die Helias: „O Herr, o Jehova, wer sollte damit nicht zufrieden sein und wer nicht befolgen Deine Lehre und Deine allerliebevollsten Gebote?! Nur fragt sich hier dennoch, ob Du, o Herr, nun durch diese zwei Gebote der Liebe nicht die zehn Gesetze und die Propheten aufhebst, weil Du gesagt hast, daß in diesen zwei Geboten das ganze Gesetz Mosis und alle Propheten enthalten seien.“

4] Sagte Ich: „Du Meine liebe Helias, wie magst du um so etwas fragen? Wenn das Gesetz Mosis und alle Propheten in den zwei Geboten der Liebe enthalten sind, wie könnten sie da wohl je aufgehoben sein? Siehe, gerade wie der siebente euch wohl erklärte Geist Gottes im Menschen die sechs vorhergehenden Geister durchdringt und erfüllt und somit alle in sich aufnimmt, ebenso erfüllt die wahre Liebe zu Gott und zum Nächsten alle die vorhergehenden Gesetze Mosis und alle die Vorschriften und Ermahnungen der Propheten!

5] Wenn Moses sagt: ,Du sollst allein an einen Gott glauben und keine fremden und nichtigen Götter der Heiden neben dem rechten Gott haben!‘, da erfüllst du dieses erste Gebot Mosis ja dadurch mehr als vollkommen, so du Gott über alles liebst. Denn könntest du Einen Gott recht über alles lieben, wenn du zuvor nicht ungezweifelt von Ihm glaubtest, daß Er wahrhaft da ist?!

 So du aber durch deine Liebe zu Ihm mehr als tageshell und lebendig dartust, daß du an einen Gott glaubst, – wirst du aus deiner großen Liebe zu Ihm wohl imstande sein, Seinen Namen je irgend zu verunglimpfen, zu verunehren und zu entheiligen? Sicher ewig nicht! Denn was ein Mensch im höchsten Grade liebhat, das ehrt er auch stets am meisten, und er wird sogar gegen jeden bitter und sehr ernst auftreten, der es ihm gegenüber wagen würde, sein Allerliebstes irgend zu verunehren. Oder würde es dich nicht in hohem Grade empören in deinem Gemüte, wenn jemand deinen Vater, den du sehr liebhast, verunehren würde? So du aber nun Gott über alles liebst, wirst du da wohl je imstande sein, Seinen Namen irgend zu entheiligen?

6] Wenn du das nun so recht in dir betrachtest, so mußt du schon auf den ersten Blick darüber ganz im klaren sein, wie sowohl das erste als auch das zweite Gesetz Mosis in dem einen Gebote der Liebe zu Gott ganz enthalten sind.

7] So du, Meine liebe Helias, nun Gott ganz sicher über alles liebst und eben darum auch über alles ehrst, – wirst du dich da nicht gerne, und das sehr oft, von dem weltlichen Tagesgeschäft zurückziehen und dich mit dem Gegenstand deiner heißesten Liebe beschäftigen? Ja, ganz ungezweifelt wahr und sicher! Und siehe, darin besteht ja auch die wahrste und rechteste und vor Gott allein gültige Feier des Sabbats, die Moses befohlen hat! Denn an dem Tage selbst liegt wenig oder auch gar nichts, sondern allein daran, daß du am Tage oder in der Nacht in der Liebe und Ruhe deines Herzens gern an Gott denkst und dich mit Ihm unterhältst. Und siehe, wie auch das dritte Gebot Mosis in dem einen Gebote der Liebe zu Gott enthalten ist!

8] Wer sonach Gott wahrhaft über alles liebhat, der hat Ihn auch sicher erkannt und hat einen lebendigen Glauben, gibt Gott auch alle Ehre und wird Seiner sicher stets am meisten gedenken. Und wer das tut, der kann keine Sünde gegen Gott begehen. Oder kann wohl eine Braut gegen ihren Bräutigam, den sie über die Maßen liebhat und von dem sie wohlwissentlich noch mehr geliebt wird, irgendeine Sünde begehen? Nein, das sicher nicht, weil beide in ihrem Herzen völlig eins geworden sind eben durch die Liebe! Wer aber Gott wahrhaft über alles liebt und also durch die Liebe eins geworden ist mit Ihm, der wird auch seine Nebenmenschen als ihm ebenbürtige Kinder Gottes ebenso lieben, wie er sich selbst liebt, und wird ihnen das tun, was er mit klarer Vernunft will, daß die Menschen ihm tun möchten.“


 
Erstes Gebot - Entsprechungen lt. Emanuel Swedenborg (18. Jhdt)

Es soll kein anderer Gott vor Meinem Angesicht sein

291.Dies sind die Worte des ersten Gebotes, 2Mo.20/3; 5Mo.5/7; unter welchen
im natürlichen Sinn, welcher der Buchstabensinn ist, zunächst ver-
standen wird, man solle keine Götzen verehren; denn es folgt: „Du sollst
dir kein gehauenes Bild, noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen,
was im Himmel oben, noch dessen, was auf Erden unten, noch dessen, was
in den Wassern unter der Erde ist: du sollst dich nicht beugen vor
ihnen, noch sie verehren, weil Ich Jehovah dein Gott bin, ein eifriger
Gott“: 2Mo.20/3-6. Daß unter diesem Gebot zunächst verstanden wird, man
solle keine Götzen ver- ehren, hat seinen Grund darin, daß vor jener
Zeit und auch nach derselben bis zur Ankunft des Herrn, in einem großen
Teil der asiatischen Welt Götzendienst bestand. Die Ursache dieses
Kultus war, daß alle Kirchen vor dem Herrn vorbildliche und typische
Kirchen waren, und die Typen und Vorbildungen von der Art waren, daß
die göttlichen Dinge unter mancherlei Gestalten und Bildsäulen
vorgestellt wurden, welche, weil ihre Bedeutungen in Vergessenheit
gekommen waren, der große Haufen als Götter zu verehren anfing. Daß auch
das israelitische Volk zur Zeit, da es in Ägypten war, solchen Kultus
hatte, kann man an dem Goldenen Kalb sehen, das sie statt Jehovahs in
der Wüste verehrten; und daß sie in der Folge nicht von diesem Dienst
abließen, erhellt aus vielen Stellen im WORT , sowohl im
historischen, als im prophetischen.

292. Unter diesem Gebot: 
„Es soll kein anderer Gott vor Meinem Angesicht sein“: wird im natürlichen Sinn
auch verstanden, daß kein verstorbener oder lebender Mensch als Gott
verehrt werden solle, was auch wirklich geschah in der asiatischen
Welt und um diese her an verschiedenen Orten; 

viele Götter der Heiden
waren nichts anderes, wie z. B. Baal, Astharoth, Chemos, Milkom,
Beelsebub; und zu Athen und Rom Saturn, Jupiter, Neptun, Pluto.

Erlöser, Jehovah Zebaoth: Ich bin der Erste und der Letzte, und außer
Mir ist kein Gott“: Jes.44/6. 
„Jehovah Zebaoth Sein Name, und dein
Erlöser, der Heilige Israels, der ganzen Erde - Gott wird man Ihn nennen“:
Jes.54/5. 
„Abraham erkennt uns nicht, und Israel erkennet uns nicht
an, du Jehovah, unser Vater, [unser] Erlöser ist von Ewigkeit Dein
Name“: Jes.63/16. 
Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
Dessen Name ist Wunderbar, Rat, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, des
Friedens Fürst“: Jes.9/5. 
„Siehe, die Tage kommen, da Ich David einen
gerechten Sproß erwecken werde, Der als König herrschen wird, und dies
Sein Name: Jehovah unsere Gerechtigkeit“: Jer.23/5,6,14-16. 
„Philippus
sprach zu Jesu: Zeige uns den Vater; Jesus sprach zu ihm: Wer Mich
sieht, sieht den Vater; glaubst du nicht, daß Ich im Vater bin, und der
Vater in Mir ist“: Joh.14/8,9. 
„In Jesus Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leiblich“: Kol.2/9. 
„Wir sind in der Wahrheit, in Jesus Christus: Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben; 
Kindlein, hütet euch vor den Götzen“: 1Joh.5/20,21. 
Hieraus erhellt deutlich, daß der Herr, unser Heiland, ist Jehovah selbst, Der zugleich Schöpfer, Erlöser und Wiedergebärer ist. Dies ist der geistige Sinn dieses Gebotes. 

295. Der himmlische Sinn dieses Gebotes ist, daß Jehovah, der Herr, der
Unendliche, der Unermeßliche und der Ewige ist, daß Er der Allmächtige,
der Allwissende und der Allgegenwärtige ist, daß Er der Erste und der
Letzte ist, der Anfang und das Ende, Welcher war, ist und sein wird, daß
Er die Liebe selbst und die Weisheit selbst, oder das Gute selbst und
das Wahre selbst, folglich das Leben selbst, somit der Einzige ist, aus
Dem alles ist.

296. Viele, die einen anderen Gott, als den Herrn und
Heiland Jesus Christus, welcher Jehovah Gott selbst in menschlicher
Gestalt ist, anerkennen und verehren, sündigen wider dieses erste Gebot;
ebenso auch die, welche drei göttliche Personen von Ewigkeit als
wirklich existierend sich einreden; je wie sich diese in solchem Irrtum
bestärken, werden sie mehr und mehr natürlich und fleischlich, und
können dann keine göttliche Wahrheit inwendig begreifen, und wenn sie
dieselben hören und aufnehmen, so beflecken und umhüllen sie dieselbe
gleichwohl deshalb mit Trugwahrheiten; diese können denen vergli- chen
werden, die im untersten oder unterirdischen Geschoß eines Hauses
wohnen, und darum von dem, was die im zweiten und dritten Stock mitein-
ander reden, gar nichts hören, weil die Decken über dem Kopf den Schall
nicht durchdringen lassen. Das menschliche Gemüt ist wie ein Haus mit
drei Stock- werken, in dessen unterstem die sind, welche sich für drei
Götter von Ewigkeit bestärkt haben, im zweiten und dritten aber die,
welche einen Gott in schaubarer Menschengestalt anerkennen und
glauben, daß der Herr Gott Heiland dieser sei. Der sinnliche und
fleischliche Mensch ist, weil er bloß natürlich ist, an sich betrachtet
völlig tierisch, und unterscheidet sich vom unvernünftigen Tier nur
darin, daß er reden und Schlüsse machen kann; weshalb er wie in einem
Tierbehälter hausend ist, in dem sich wilde Tiere aller Art befinden,
und wo er bald den Löwen, bald den Tiger, Pardel oder Wolf macht, ja
auch das Schaf spielen kann, nur daß er dann in seinem Herzen dazu
lacht. Der bloß natürliche Mensch denkt über die göttlichen Wahrheiten
nur nach dem Weltlichen, somit nach den Täuschungen der Sinne, denn
über diese kann er sein Gemüt nicht erheben; deshalb läßt sich seine
Glaubenslehre vergleichen mit einem Brei aus Spreu, den er als
Leckerbissen verzehrt, oder damit, daß dem Propheten Hesekiel befohlen
wurde, Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Mais mit Menschen- oder
Rindermist zu vermengen, und sich Brot und Kuchen zu machen, und so die
Kirche vorzubilden, wie sie beim israelitischen Volk war: Hes.4/9f.
Ebenso verhält es sich mit einer Kirchenlehre, die gegründet und
aufgebaut ist auf drei göttliche Personen von Ewigkeit, deren jede
einzeln für sich Gott ist. Wer könnte nicht das auffallend Widersinnige
dieses Glaubens sehen, wenn derselbe, so wie er an sich ist, in einem
Gemälde vor Augen gestellt würde, wenn z. B. die drei in Reihe
nebeneinander ständen, der erste geschmückt mit Zepter und Krone, der
zweite in seiner rechten Hand ein Buch haltend, welches das WORT ist,
und in der linken ein mit Blut bespritztes Kreuz von Gold, und der
dritte mit Flügeln versehen auf einem Fuß stehend, im Begriff, zu
fliegen und einzuwirken, und dieses mit der Aufschrift: Diese drei
Personen, ebenso viele Götter, sind ein Gott? Welcher Weise würde nicht
beim Anblick dieses Gemäldes zu sich sagen: o welch ein Hirngespinst?
Anders aber würde er reden beim Anblick eines Gemäldes von einer
göttlichen Person mit Strahlen himmlischen Lichtes um das Haupt und der
Überschrift: Dies ist unser Gott, zugleich Schöpfer, Erlöser und
Wiedergebärer, somit der Heiland; würde nicht jener Weise dies Gemälde
küssen, und es in seinem Busen nach Hause tragen, und durch dessen
Anblick sowohl sein eigenes Gemüt, als dasjenige seiner Frau und seiner
Kinder und Diener erfreuen?
 
Das Vaterunser



1. Und es geschah, als Er an einem Orte war und betete, wie Er aufgehört hatte, sprach Seiner Jünger einer zu Ihm: Herr, lehre uns beten, so wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat.
2. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprechet: 
(Lukas)


5. Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehen und beten, damit sie vor den Menschen scheinen. Wahrlich, Ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
6. Wenn du aber betest, so gehe ein in deine Kammer und verschließe deine Tür und bete zu deinem Vater im Verborgenen. Und dein Vater, Der in das Verborgene sieht, wird es dir vergelten öffentlich. 
7. Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8. Seid denn ihnen nicht ähnlich; denn euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr Ihn bittet. 
9. Darum sollt ihr also beten:
(Matthäus)


Unser Vater in den Himmeln,

 
- 1 -


Wie bekommt man die höheren Lebenskräfte?


Die Säulen dieses Rondells stellen die Lebenskräfte des Menschen dar. Zwölf Säulen habt ihr entdeckt. Wenn ihr das Gebiet der Leben äußernden Kräfte durchgehet, so werdet ihr mit leichter Mühe finden, daß dasselbe auch auf zwölf ähnlichen Trägern ruht. 09] Wie lauten aber diese Träger, welche Namen haben sie? Wir wollen sie ganz kurz durchgehen; 

Der erste Träger (des Lebens) heißt: 
Du sollst allein an einen Gott glauben.




Vorbereitung Teil 1



[GEJ 7.168.1] Darauf trat der Römer Agrikola zu Mir und sagte: „Herr und Meister, da sich nun alles von hier zu entfernen beginnt, so haben denn auch wir Römer daran zu denken angefangen, wie und wann auch wir unsere Rückreise antreten werden! Da ich aber nun besonders in Deiner Gegenwart ohne Deinen Rat nichts unternehmen und ausführen will, so bitte ich Dich auch in dieser Hinsicht um Deinen göttlich weisen Rat.“


 
Emanuel Swedenborg: Vom Himmel und der Hölle



Der Herr ist der Gott des Himmels



2. Zuerst muß man wissen, wer der Gott des Himmels ist, weil das übrige davon abhängt; im ganzen Himmel wird kein anderer als Gott des Himmels anerkannt, als der Herr allein;
sie sagen daselbst, wie Er selbst gelehrt hat, daß Er einer [und derselbe sei] mit dem Vater; und daß der Vatein Ihm sei, und Er im Vater; und daß wer Ihn sieht, den Vater sehe; und daß alles Heilige aus Ihm hervorgehe: Joh.10/30,38; 14/10,11; 16/13-15.
Ich sprach hierüber öfter mit den Engeln, und sie sagten beharrlich, sie können im Himmel das Göttliche nicht in drei unterscheiden, weil sie wisseund wahrnehmen, daß das Göttlicheeines ist und daß es eines ist im Herrn;
sie sagten auch, daß die, welche von der Kirche aus der Welt herkommen, bei denen die Vorstellung dreier Göttlichen ist, nicht in den Himmel aufgenommen werden können, weil nämlich ihr Denken [hin und her] irrt voeinem zum anderen und es dort nicht erlaubt ist, drei zu denken und einen zu nennen, weil im Himmel jeder aus dem Denken redet; denn dort findet
ein denkendes Reden oder ein redendes Denken statt; weshalb denn solche, die in der Welt das Göttliche in drei unterschieden und von jedem eine gesonderte Vorstellung gefaßt und diese nicht im Herrn zu einer gemacht unkonzentriert hatten, nicht aufgenommen werden können; denn im Himmel findet ein Gemeinschaftlichmachen aller Gedanken statt: würde daher dorthin kommen, wer drei denkt und einen ausspricht, so würde er sogleich ausgekannt und ausgestoßewerden. Es ist jedoch zu wissen, daß alle, die nicht das Wahre vom Guten oder den Glauben von der Liebe getrennt hatten, im anderen Leben, wenn sie belehrt worden sind, die himmlische Idee vom
Herrn, daß Er der Gott des Alls sei, annehmen; anders aber die, welche den Glauben vom Leben getrennt, das heißt, die nicht nach den Vorschriften des wahren Glaubens gelebt hatten.

3. Die innerhalb der Kirche den Herrn geleugnet und bloß den Vater anerkannt und in solchem Glauben sich bestärkt hatten, sind außerhalb des Himmelsund weil bei ihnen keinerlei Einfließen stattfindet aus dem Himmel, in dem der Herr allein angebetet wird, so werden sie stufenweise des Vermögens beraubt, über irgend etwas das Wahre zu denken, und werden endlich wie stumm oder reden albern und wanken im Gehen, und ihre Arme hängen herab und schwanken hin und her, wie wenn sie keine Kraft in den Gelenken hätten. 

Die aber das Göttliche des Herrn geleugnet und bloß Sein Menschliches anerkannt hatten, wie die Socinianer, sind gleichfalls außerhalb des Himmels und werden nach vorne etwas rechts hin gebracht und in die Tiefe hinabgelassen und so gänzlich von den übrigen aus der Christenheit abgesondert. 

 Diejenigen aber, welchsagen, sie glauben an ein unschaubares Göttliche, das sie das Seiende des Alls nennen, aus dem alles entstanden ist, und den Glauben an den Herrn verwerfen, diese wurden als solche erfunden, die an keinen Gott glauben, weil das unschaubare Göttlichihnen ist wie die Natur in ihrem ersten, woran ekeinen Glauben und wozu es keine Liebe geben kann, weil es kein Denkbild davon gibt; diese werden unter diejenigen verwiesen, welche Naturalisten heißen.

Anders ergeht es denen, die außerhalb der Kirche geboren sind und Heiden genannt werden, von denen im folgenden [die Rede sein wird].

4. Alle Kinder, aus denen der dritte Teil des Himmels besteht, werden in die Anerkennung und in den Glauben eingeleitet, daß der Herr ihr Vater istund nachher, daß Er der Herr aller, somit der Gott des Himmels und der Erde ist. 


 
Entsprechungen, Kabbala Grundlage



10 Sephirot (der unsichtbare Gott, En Soph, 10 "Emanationen")
1. Sephirah: Kether
Bedeutung: Krone, erster aufleuchtender Punkt

Name: Ehyeh
Bezeichnung in der Genesis:

Tora 1. Buch: Bereschit („Im Anfang“)

1. von 3 Aspekten Gottes:

Bhagavan - Person, die Reichtümer besitzt
Herr
Vater


 
Offenbarung Johannis. 
Kapitel 1

(V. 1) Offenbarung Jesu Christi, 
= die vom Herrn gegebenen Weissagungen;

- welche Gott Ihm gab, Seinen Knechten anzuzeigen, 
= für jene, welche in der tätigen Liebe sein wollen; 

- was bald geschehen soll, 
= was gewiss geschehen werde, damit die Seinen nicht zugrunde gehen!; 

- und die Er durch einen Engel deutete Seinem Knecht Johannes, 
= jenen, die demütig und gerne in tätiger Liebe sind, wird die Weisheit Gottes innerlich verständlich gemacht;

(V. 2) welcher bezeugt hat das Wort Gottes 
= das Göttlich Wahre mit gereinigtem Herzen und so im Lichte aufnehmen = "sehen".

und das Zeugnis Jesu Christi, 
= erfühlen können, dass die Liebe Gottes so ist, dass es Ihn hilfsbereit für die zu Befreienden ins Fleisch drängte, ...
(Antichristen können dies ohne Fassungskraft nicht erkennen - und bestreiten, dass der Herr ins Fleisch kam); 

- alles, was er gesehen, 
= die Erleuchtung über alles in dieser Offenbarung; 

(V. 3) Glückselig wer liest, und welche hören die Worte der Weissagung, und was in ihr geschrieben ist, bewahren, 
= Wichtig: Dieser Sinn von "bewahren" kann heute missverständlich sein. Es bedeutet nicht nur merken, sondern im Herzen aufnehmen, also so sehr schätzen, dass wir es unbedingt umsetzen wollen! Darauf "hören", was Gott für unsere Hilfe offenbart. Sich entsprechend bessern. Das ist das Leben nach den Lehren des neuen Jerusalems, damit wir mit den Engeln des Himmels Gemeinschaft haben! 

- denn die Zeit ist nahe, 
= dass die "Prüfungszeit" auf Erden weder individuell, noch gesellschaftlich ewig dauern kann, sondern der eingeleitete Gärungsprozess ein Ende findet, und für Erreichen des hohen wunderbaren Zieles keine Zeit verschwendet werden soll. Wer also auf die Hinweise hört, und gerne liebt, bei dem ist die große Löse nahe. Und damit die Glückseligkeit.

(V. 4) Johannes den sieben Gemeinden, 
= nicht nur an spezielle 7 Gemeinden, sondern 7 bedeutet auch "alle" oder "ganz". So wie die 7 Geister Gottes vor dem Thron nur einer ist, wie die 7 Farben des Regenbogens (Lichtspektrum) nur eine ist. Alle, die Jesus lieben und so wie er lieben wollen, somit Glieder Gottes sein wollen, in der Ordnung der Liebe und Weisheit Gottes wirken wollen. Durch die Aufteilung in 7 Gemeinden und den jeweiligen Botschaften Jesu hierzu wird leichter verstehbar, worin man von den 7 Gnade bringenden Geistern Gottes abweicht. Es ist also ein "Charakterkurs", der bei Berücksichtigung Befreiung vom Üblen bringt. Besser als jede heutige "Psychologie". Und wer in diese Liebe kommt, und somit das eigene Übel besiegt hat, dem kann auch das äußere Übel nichts anhaben! Diese barmherzige Liebe ist auch das eigentliche Leben, die Wiedergeburt im Geiste Gottes.

- in Asien,
= die einsichtige Seele, klar wie durch das Mittagslicht. Noch nicht die noch größere Weisheit aus der barmherzigen Liebe, sondern die Vorbildung von Außen, die Lehre aus dem Wort. 
Historisch waren die Kinder des Mittags in Asien, "Kinder von Adam", und von Seth weise gemacht. 
Ein anderes Beispiel ist Moses, der als Vorbereitung zuerst die Weisheitsschulen besuchte, aber erst durch die Liebe mit Gott Verbindung hatte, und Weisheit aus der Liebe bekam, die noch viel größer ist als diese vorbereitende Weisheit. 
"Asien" ist die innere Ensprechung, es hat keine Bedeutung ob jemand in Asien wohnt oder nicht (Moses war auch in Ägypten), sondern, ob das innere Land, die Seele derartig vorbereitet und einsichtig ist und dadurch den weiteren Wandel ermöglicht.
Aber es kann auch abwärts gehen: Diejenigen, welche trotz der gegebenen Weisheit "einen lüsternen Blick gen die weltliche Stadt Hanoch warfen", gehorchte die Natur (z.B. ein Tiger) nicht mehr, weil sie die eigene Natur nicht mehr unter Kontrolle hatten. Und so werden die in dieser Offenbarung folgenden Sendschreiben an die 7 Gemeinden auch die Gefahren der Abweichungen vom guten Weg beschreiben.
Über die noch unverdorbenen "Kindern des Mittags" wurde an Jakob Lorber offenbart [HG 1.67.1]: "welche, als sie solcher Ankunft ansichtig wurden, alsobald alles verließen und hinzueilten zum Empfange der Erzväter, um dieselben würdigst zu begrüßen." 
Und hier erfreuen sich nun die "Kinder des Mittags" der Ankunft des himmlischen Vaters! Und so wir solche Kinder sind, freuen wir uns ebenfalls riesig, weil wir nach seiner barmherzigen Liebe wirken wollen!


- Gnade euch und Friede, 
= die liebende Begrüßung (wie ein Kuss) und Vorsehung 
an die empfangsbereiten Seinen (Bist du so? Dann bist DU gemeint!), 
die somit in der von Jesus vorgezeigten Art der Liebe wachsen können. 

Der Friede ist die große Gottesliebe, mitsamt der Gewissheit, dass der gute Hirte seine Schafe behütet, was jeden innerlichen Unfrieden und jede Angst nimmt. 

- von Ihm, Welcher ist, und Welcher war, und Welcher kommt,
= die Liebe samt Weisheit (Ordnung) von Ewigkeit. 

Das ist also nicht "irgendwer", der uns (so wir die Seinen sind) diese Gnade und diesen Frieden gibt!

Das allgemein prophezeite Friedensreich (und das Neue Jerusalem) wächst durch die Vermehrung solcher Gotteskinder, die vom Geber schon mehr bekommen haben, und den Nachkommenden, die noch "ärmer" sind, entsprechend der Liebes-Ordnung Gottes *gnädig* weitergeben und somit beim Wandel vom alten zum neuen Menschen helfen. 

Die Widersacher gegen diese Art der gnädigen Liebe errichten hingegen Hochmutstürme und eine politische kaltherzige Unterdückungs-"Ordnung" unter Vorwänden, wie es von den derzeitigen Weltmächtigen gewollt wird - und listig "Friede" genannt wird - indem alle Gegner der Herrschsüchtigen abgestraft oder beseitigt werden sollen. Dazu gehören nicht nur offensichtliche Chaoserzeuger, sondern auch die listigen und das Geld verherrlichenden Scheinretter. 

Dem aus dem Himmel "herabkommende" Neue Jerusalem, von dem wir ein Teil sein können, so wir ebenfalls empfangenen Segen weitergeben, können sie nichts entgegensetzen.  Genaueres folgt.

- und von den sieben Geistern Gottes, die vor seinem Throne sind, 
= die sieben Mächte aus der Ewigkeit Jehovahs (das ist die richtige Setzung der Vokale von JHWH, nicht Jahweh, hat aber nichts mit den Zeugen Jehovas zu tun), der in engerem Sinn das Herz, die Liebe, in der Tiefe der Gottheit ist (Vorgebildet als im Innersten des Tempels wohnend), deshalb jede Macht davon voll des lebendigen Wassers der Gnade! 

Die 7 Geister werden wir noch genauer betrachten, und sie sind eigentlich der eine Geist Gottes. 

Jesus ist dieselbe gnädige Liebe, die herabgekommen ist. Der Friedensfürst. 


(V.5) von Jesu Christo, 
= die ins Fleisch gekommene erbarmende Liebe und Wahrheit, 
das Göttlich-Menschliche - der Vater in dem Menschensohne.
Ist also der Schöpfer- und Aufrechterhaltergott Jehovah selbst.
Jesus steht für das Gute Gottes und Christus für das Wahre Gottes. 
Jesus bedeutet Retter, und das ist gleichzeitig seine Eigenschaft, mit der er als herniedergekommener Herr in der Welt wirkte und weiter wirkt.
Daher ist dies der Name des Göttlich-Menschlichen des Herrn. 
Wer meint, das Menschliche und das Göttliche des Herrn seien nun zwei Personen und der eine einzige Herr sei nicht Menschlich-Göttlich, nicht Jesus Christus, und Jehovah sei eine andere Person, der hat ein Verständnisproblem und ist damit 
antichristlich (meint, dass Jesus nicht ins Fleisch kam, bedeutet, dass der schon seit Ewigkeit vorher war = Gott, ins Fleisch kam.) 
und bleibt ab einem gewissen Grad in seiner Entwicklung stecken oder macht Rückschritte.
Im jenseitigen Himmel gibt es heute keine Abweichung von dieser Wahrheit, alle anerkennen Jesus Christus als einzigen Herrn.
Es sind die Grüße an die Seinen also nicht von Ihm, Welcher ist, und Welcher war, und Welcher kommt, UND von Jesus Christus als zweite Person, sondern es ist der Selbe.

- Er, der treue Zeuge, 
= das Göttlich Wahre (himmlische Licht) Selbst. Der sprechende Zeuge der übergroßen Taten der erbarmenden Liebe. Der ErZeuger des Lichts als Segens aus dieser Liebe, die Quelle selbst.

- der Erstgeborene von den Toten, 
= auch die Anwendung des Göttlich Guten selbst - der Weg - vorgezeigt; 

IM AT war der körperlich Erstgeborene die Darstellung des Erben. Hier geht es um den Erstgeborenen im Geiste. Die völlige Geistige Wiedergeburt.

Als Jesus im Fleisch war, hat er Sein Menschliches durch Seinen erfolgreichen Kampf mit den Versuchungen mit Seinem eigenen Göttlichen vereinigt. 
Am Kreuz musste ihn die Kraft Gottes verlassen, sonst hätte er nicht sterben können. "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Er legte sich in Gottes Hände, die auch ein Teil von ihm sind. Weshalb er ankündigte: Reisset Meinen Tempel ab und in drei Tagen werde ICH ihn wieder aufbauen. 

Ab dann war Er Menschlich-Göttlich. Zuvor galt also auch für Seinen "angeerbten Willen des Fleisches", der dem göttlichen Willen des Geistes widerstrebt, dass er im Kampf gegen die Versuchungen sagen musste: "Dein Wille geschehe", als ob Er eine eigene Person wäre.
Jesus musste also selbst als derjenige, der alle erschaffen hat und unschuldig war, die Läuterung des Fleisches siegreich durchmachen, und zeigte damit vor, wie wir durch Halten des inneren Sinns der Gebote (der Buchstabensinn ist für Einsteiger) zur Wiedergeburt im Geiste kommen -  Seine Gebote also keine Schikanen sind, sondern die Hilfestellung, uns zuerst innerlich vom Sündigen (Behinderung des Geistes) befreien und uns sodann durch die Liebe die Gottheit (Kraft) hilft!

und Er, der Fürst (der Könige) der Erde, 
beschreibt die Ordnung Gottes - der mehr hat, gibt den Nachkommenden, damit diese wieder weitergeben können. Der "Lord", von welchem in der Gemeinschaft der Seinen alles Wahre ist, das aus dem Guten ("Sohn" als Liebe im "Vater") kommt; die "Könige" sind die durch Ihn (aus der Liebe) zu Weisen gemachten. Siehe die Beschreibung der Bedeutung der goldenen Krone. Ursprünglich waren auch die Könige wie David möglichst die Weisesten. Die Bezeichnung "Christus" wurde in erweitertem Sinne ebenfalls für die Weisen verwendet. Auch Paulus, der erleuchtet wurde, bedeutet "Christus in uns". Und durch die individuelle Wiederkunft, was da ist die zunehmende Wiedergeburt im Geiste, wird dies ebenfalls steigernd erreicht.

- Welcher uns liebt, und uns wascht von unseren Sünden (in Seinem Blut), 
= Halleluja! Wir haben einen uns liebenden Gott, welcher uns, die sich ihm nun hingebenden, aktiv aus dem verderbnisbringenden Sündendasein heraus hilft, und sich dafür sogar kreuzigen ließ! 
Obwohl wir anderes verdient hätten, und die Gottheit nach der Ordnung Unkraut beseitigen muss, greift der Liebesanteil aktiv für uns ein, wenn wir umkehren.

"Die Liebe wohnt nur im Vater und heißt der Sohn. Wer diese verschmäht, der wird der mächtigen Gottheit anheimfallen und wird seiner Freiheit auf ewig beraubt werden, und der Tod wird sein Anteil sein; denn die Gottheit wohnt auch in der Hölle, aber der Vater wohnt nur im Himmel. Gott richtet alles nach Seiner Macht; aber die Gnade und das ewige Leben ist nur im Vater und heißt der Sohn. Die Gottheit tötet alles; aber der Sohn oder die Liebe in Mir hat Leben, gibt Leben und macht lebendig."

Oder so beschrieben: [HG 1.9.9] "Und siehe, da gab es einen heißen Kampf zwischen der durch die Reue und Trauer der Geschaffenen Sich wieder erbarmenden ewigen Liebe und zwischen der alles zerstören wollenden, ergrimmten Gottheit zur Sühnung Ihrer unbestechbaren Heiligkeit."


Hierbei wird nicht von einem Mehrpersonengott gesprochen, sondern innerhalb Gottes gibt es diesen "Kampf", der so dargestellt wird. Die Gottheit wirkt für die Betroffenen wie ergrimmt, hat aber nicht wirklich Zorn. 

Es braucht also Gottesfurcht, so lange man nicht in der Liebe ist. Sodann ist die Gottheit der Liebe untertan.

Aus Liebe und Erbarmung werden wir also umbildet und im Geiste wiedergeboren durch sein göttlich Wahres aus dem Worte.

Es ist also keineswegs so, dass durch den Kreuztod der angeblich Gläubige automatisch in den Himmel kommt, obwohl der höllischen Eigenschaften folgt!! Ohne demütige Reinigung durch "Dein Wille geschehe", wirkt niemand himmlisch und ist somit in keinem himmlischen Zustand, auch nicht nach der Ablegung des Leibes. 

(V. 6) und uns zu Königen und Priestern macht, 
= ermöglicht nicht weniger als die wunderbare Wiedergeburt des Geistes in Ihm und macht uns weise aus dem Göttlich Wahren und liebevoll aus dem Göttlich Guten. (Nach dem Sieg über die Anfechtungen durch Hingabe an Ihn als Vorbild und Hilfe) 

- Gott und Seinem Vater, 
= Ebenbilder Seiner Göttlichen Weisheit und Seiner Göttlichen Liebe. 
Wir sollen zu mächtigen (gut und weise) wirkende Götter (Gotteskinder) wachsen, indem wir lieben wie der Vater! Was gleich ist mit Jesu gegebenem Gebot, so zu lieben, wie Er es vorzeigte. Ja, so groß ist die Vorsehung für die Seinen! So zu lieben bedeutet auch duldsam zu sein und gleichzeitig vom Sündigen befreit zu sein (führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen), damit unschuldig zu wirken und dadurch Gottes "Zähmkraft" über uns wirken kann.

 - Ihm die Herrlichkeit und Macht in die Zeitläufe der Zeitläufe, 
= Es ist nicht unsere Kraft, die sodann durch uns wirkt, sondern "Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit". Welcher allein göttliche Majestät und göttliche Allmacht in Ewigkeit hat. 

Jesus hatte und hat, anders wir, die wir ein Ebenbild werden können, selbst Machtvollkommenheit, weil er kein Ebenbild, sondern Jesus-Jehovah selbst ist.

Die Gottheit ist  die Kraft der Ewigkeit, und diese folgt der Liebe und Weisheit, also dem festen diesbezüglichen Willen.


- Amen! 
= die göttliche Bestätigung durch die Wahrheit, also durch sich selbst. 

(V. 7) Siehe Er kommt mit (des Himmels) Wolken
= zuerst durch die Wahrheit daß der Herr Sich [zuerst] im buchstäblichen Sinne des Wortes offenbaren und dessen geistigen Sinn aufschließen werde am Ende der Kirche;

[PSG 1.7.66] Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater - in dem Menschensohne! / 
Ich komm' zu euch, und all' Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne; / 
Denn ausgeronnen ist die Zeit, gebrochen ist die Macht, / 
Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bruders wohl bedacht; / 
So freuet euch, die ihr nach Mir habt sehnsuchtsvoll verlanget, / 
Seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget!

- und sehen wird Ihn jedes Auge, 
bedeutet, daß (Ihn) alle anerkennen werden, welche aus Neigung im Verständnisse des Göttlich-Wahren sind;
[HIM 1.410501a.11] Diese (die Seinen) werden ihre Augen nur dahin richten, da sie sehen werden des „Menschen Sohn auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen“ – welches ist das lebendige Wort im Herzen des Menschen oder Meine ewige Liebe im Vollbestande und daher ist „von großer Macht und Herrlichkeit“. Und es sind die „Wolken des Himmels“ die unendliche Weisheit Selbst in diesem lebendigen Worte. 

In diesem Sinne sind nicht fleischliche "Augen" gemeint! Nicht jeder kann geistig sehen!
 [HG 1.5.1] Wer Ohren hat zu hören, der höre, und wer Augen hat zu sehen, der sehe; denn siehe, Ich will euch ein gar großes Geheimnis enthüllen, damit ihr sehen möget, wie sich euer liebevollster, heiliger Vater euch von Angesicht zu Angesicht zu schauen und zu genießen brüderlich gibt.
[HG 1.42.4] Und höret weiter, ihr lieben Väter und Kinder, was ich gesehen im nächtlichen Schauen, zwar nicht mit den Augen des Leibes, – mit geistigen Augen hab' solches entzückt ich gesehen!


- und die Ihn durchstochen haben, 
= es werden auch die einsehen müssen, welche im Glauben im Falschen sind und Arges tun;
Dabei gilt es zu verstehen, wann auch wir das taten und vielleicht noch tun.
Würden wir um die Freilassung des Barabas rufen, welcher äußerliche Befreiung (in diesem Fall von einem verdienten Schicksal) erkämpfen will und somit Jesus, der meint, es sollte zuerst innerliche Befreiung vom Sündigen stattfinden, kreuzigen lassen?

- und wehklagen werden (über Ihn) alle Stämme der Erde, 
= dies sein werde, wenn kein Gutes und Wahres in der (innerlichen) Kirche mehr ist.
[HIM 1.410501a.10] Es werden bei solcher Gelegenheit freilich die „weltsüchtigen Geschlechter der Erde“ heulen, jammern und wehklagen, da all ihr Höllentrug, der da in den zahllosen Kaufs- und Verkaufsartikeln besteht, außer allen Kurs kommen wird. Denn die Menschen Meines Zeichens werden mit den Weltträumern, Mäklern und Wechslern nicht mehr viel zu tun haben.

[STE 13.2] „Gleich aber wie da waren die Tage Noahs, so wird auch sein die Ankunft des Menschensohnes.“

[HIM 1.410501b.10] Wer nun auf diese Art seinen Lebensbaum von allen den bösen Begierden und Leidenschaften durch die kräftigen Werkzeuge, welche sind die Selbstverleugnung und die Demut, emsig reiniget, der wird dann gewiß auch im Sommer und Herbste seine Tätigkeit mit den herrlichsten, reif gewordenen Früchten belohnt sehen.
[HIM 1.410501b.11] Diese Früchte aber sind keine anderen als die Erscheinung des „Zeichens des Menschensohnes am Himmel.“ 
Die „Geschlechter der Erde“ sind die hinausgeschafften bösen Begierden und Leidenschaften
Und darauf erfolgt „das Kommen des Menschensohnes auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“

- Ja, Amen!, 
bedeutet die göttliche Bestätigung, daß es so geschehen werde. 

Das Zeichen des Menschensohnes. – 1. Mai 1841
Ans. H. bat um Auskunft über Matthäus Kap. 24,30: 
„Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. 
Dann werden heulen alle Geschlechter auf Erden 
und werden sehen kommen 
des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels 
mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Der Herr bekundete durch Seinen Knecht J. L. folgendes:
[HIM 1.410501a.1] Wißt ihr denn nicht, welcher Unterschied zwischen dem „Zeichen“ und dem „Menschensohne“ obwaltet? Und wißt ihr nicht, was da zu verstehen ist unter dem „Himmel?“
[HIM 1.410501a.2] Wahrlich, ihr möget euch nichts Törichteres denken, als etwa am gestirnten Himmel ein sogenanntes Kruzifix zu erblicken. Fraget euch nur selbst, was würde das der Welt wohl nützen, wenn nicht nur ein, sondern eine ganze Legion Kruzifixe am Himmel zu sehen wären!? Würden die Menschen deshalb besser werden in ihren Herzen? – O gewiß und wahrlich nicht!
[HIM 1.410501a.3] Würden da nicht alsobald die Gelehrten bei der Hand sein und alle diese Kruzifixe für Ausgeburten pfäffischer Trügerei erklären?! Und würden sie nicht beweisen wollen, daß alle die am Himmel schwebenden Kruzifixe keinen andern als einen ärostatischen Ursprung haben und vermöge der Verabredung von Jesuiten-Kollegien aufgestiegen sind!?
[HIM 1.410501a.4] Sehet, diesen Effekt und noch manchen andern würde eine solche Erscheinung in der gelehrten Welt hervorbringen! Ja, es möchten noch mathematisch gelehrtere Wissenschaftler solche Erscheinungen sogar auf dem Wege der Optik zu erklären suchen.
[HIM 1.410501a.5] Was würde aber der gemeine Mann dazu sagen? – Ich sage euch, der würde alsobald vor übermäßiger Angst tatlos verstummen. Denn da wäre es für ihn nach der irrig eingepflanzten Lehre doch gewiß, daß der „Jüngste Tag“ vor der Türe ist.
[HIM 1.410501a.6] Und so würde diese Erscheinung fürs erste die Gelehrten töten darum, weil sie durch ihre Meinung und Erklärung sie zuvor töteten; der gemeine Mann aber würde getötet werden im Augenblicke des ersten Auftretens jener Erscheinung in aller seiner stets tätig sein sollenden Freiheit. – Das wäre demnach der Nutzen einer solchen Erscheinung!
[HIM 1.410501a.7] Daß sich die Sache so verhalten würde, könnet ihr aus dem entnehmen, so ihr nur mit einiger Aufmerksamkeit eure Blicke auf jene Zeit hinwendet, für welche von gewissen weisheitskramenden Propheten schon mehrere Weltuntergänge vorherbestimmt worden sind. Wie da die Menschen teilweise verzweifelten, teilweise lachten und teilweise sich dem Vielfraße und anderartigen Schwelgereien preisgegeben haben (so würde es auch jetzt wieder gehen). Wenn aber schon solche leere Prophezeiungen solche üble Erscheinungen hervorbrachten, nun denket euch, was da ein riesenhaft großes Kreuz, unter den Sternen schwebend, hervorbringen würde?! – Ich brauche euch den tödlichen Erfolg nicht näher zu beschreiben!
[HIM 1.410501a.8] Es ist aber unter „Himmel“ zu verstehen: die gesamte Glaubenswahrheit aus dem Worte, welches ist die „Kirche“ in ihrer Echtheit.
[HIM 1.410501a.9] Das „Zeichen des Menschensohnes“ aber ist die in dieser Kirche wieder neu erwachte Liebe mit allen ihren himmlischen Attributen, als Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Demut, Ergebung, Gehorsam und Duldung aller Beschwerden des Kreuzes. Sehet, dieses lebendige Zeichen des Menschensohnes wird am Himmel des inneren, ewigen Lebens erscheinen und wird nicht töten, sondern überaus beleben.
[HIM 1.410501a.10] Es werden bei solcher Gelegenheit freilich die „weltsüchtigen Geschlechter der Erde“ heulen, jammern und wehklagen, da all ihr Höllentrug, der da in den zahllosen Kaufs- und Verkaufsartikeln besteht, außer allen Kurs kommen wird. Denn die Menschen Meines Zeichens werden mit den Weltträumern, Mäklern und Wechslern nicht mehr viel zu tun haben.
[HIM 1.410501a.11] Diese werden ihre Augen nur dahin richten, da sie sehen werden des „Menschen Sohn auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen“ – welches ist das lebendige Wort im Herzen des Menschen oder Meine ewige Liebe im Vollbestande und daher ist „von großer Macht und Herrlichkeit“. Und es sind die „Wolken des Himmels“ die unendliche Weisheit Selbst in diesem lebendigen Worte. – Sehet, das ist also das kurze Verständnis dieses Schrifttextes!
[HIM 1.410501a.12] Die „Wolken“ aber werden Jenseits euch Selbst in Mein Reich aufnehmen und werden eure Wohnung sein ewig. Das heißt, ihr werdet da erst in der höchsten Wonne die große Macht und Herrlichkeit des Menschensohnes anschaulich vollends erkennen.

(V. 8) Ich bin das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, 
bedeutet Welcher das Selbst und das Einzige vom Ersten bis zum Letzten, aus dem alles ist; Welcher also die eigentliche und einzige Liebe, die eigentliche und einzige Weisheit, und das eigentliche und einzige Leben in sich ist, und so der eigentliche und einzige Schöpfer, Seligmacher und Erleuchter aus Sich, folglich alles in allem im Himmel und in der Kirche;

spricht der Herr, Welcher ist, und Welcher war, und Welcher kommt, 
bedeutet, Welcher der Ewige und Unendliche, und Jehovah ist;

- und der Allmächtige, 
bedeutet Welcher ist, lebt und vermag aus Sich selbst, und Welcher alles vom Ersten bis zum Letzten regiert. 


Der Auftrag an Johannes
(V. 9) Ich Johannes, der euer Bruder und Mitgenosse ist, 
bedeutet die, welche im Guten der tätigen Liebe und daher im Wahren des Glaubens sind;
- an der Trübsal und am Reich, und an der geduldigen Erwartung Christi, 
bedeutet, was in der Kirche vom Bösen und Falschen an- gegriffen, vom Herrn aber, wenn Er kommen wird, zu entfernen ist;
- ich war auf der Insel, welche Patmos heißt, 
bedeutet den Zustand und Ort, da er erleuchtet werden konnte;
- um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen Christi, 
bedeutet, damit man von Herzen und also im Lichte das Göttlich-Wahre aus dem Worte aufnehme und das Menschliche des Herrn als göttlich anerkenne. 

(V. 10) Ich war im Geiste an des Herrn Tage, 
bedeutet den geistigen Zustand, in dem man dann durch göttlichen Einfluß ist;
- und hörte hinter mir eine starke Stimme gleich einer 
bedeutet das deutliche Gefühl von dem aus dem Himmel geoffenbarten göttlich Wahren; 

(V. 11) sprechen: Ich bin das Alpha und Omega, der Erste und der Letzte, 
bedeutet welcher das Selbst und das Einzige vom Ersten bis zum Letzten ist, aus welchem alles ist, und mehreres wie oben;
- und sende es den Gemeinden in Asien, 
bedeutet für die, welche in der Christenheit im Licht der Wahrheit aus dem Worte sind;
- nach Ephesus und Smyrna, und nach Pergamus und Thyatira, und nach Sardes und Philadelphia und Laodicea, 
bedeutet im besonderen nach dem Zustand der Aufnahme eines jeden. 

(V. 12) Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir sprach, 
bedeutet die Umkehrung des Zustandes bei denen, die im Guten des Lebens sind, in Hinsicht auf die Wahr- nehmung des Wahren im Worte, wenn sie sich zum Herrn bekehren;
- und als ich mich wandte, sah ich sieben goldene Leuchter, 
bedeutet die neue Kirche, welche in der Erleuchtung vom Herrn aus dem Worte sein wird; [der "Feind aus den Lüften"][geistiger Sinn aus Buchstabensinn]
(V. 13) und in der Mitte der sieben Leuchter Einen, der dem Sohn des Menschen ähnlich war, 
bedeutet den Herrn in Ansehung des Wortes, aus welchem jene ist;
- mit einem Talar bekleidet, 
bedeutet das ausgehende Göttliche, welches das göttlich Wahre ist;
- und an der Brust mit einer goldenen Binde umgürtet, 
bedeutet das ausgehende und zugleich verbindende Göttliche, welches das göttlich Gute ist. 

(V. 14) und Sein Haupt und die Haupthaare weiß wie Wolle, wie Schnee, 
bedeutet die göttliche Liebe der göttlichen Weisheit im Ersten und im Letzten;
- und Seine Augen wie eine Feuerflamme, 
bedeutet die göttliche Weisheit der göttlichen Liebe. 

(V. 15) und Seine Füße gleich dem Messing, wie im Ofen glühend, 
bedeutet das natürliche göttlich Gute;
- und Seine Stimme wie die Stimme vieler Wasser, 
bedeutet das natürliche göttlich Wahre. 

(V. 16) Und Er hielt in Seiner rechten Hand sieben Sterne, 
bedeutet alle Erkenntnisse des Guten und Wahren im Worte aus Ihm;
- und aus Seinem Munde ging ein scharfes zweischneidiges Schwert, 
bedeutet, daß das Falsche vom Herrn durch das Wort und durch die Lehre aus demsel- ben zerstreut werde;
- und Sein Antlitz wie die Sonne leuchtend in ihrer Kraft, 
bedeutet die göttliche Liebe und göttliche Weisheit, welche Er selbst sind und von Ihm ausgehen. 

(V. 17) Und als ich Ihn sah, fiel ich wie tot zu Seinen Füßen, 
bedeutet, (dass) durch eine solche Gegenwart des Herrn eine Abnahme des eigenen Lebens (entstehe) ;
- und Er legte Seine rechte Hand auf mich, 
bedeutet das dann von Ihm eingehauchte Leben;
- und sprach zu mir: Fürchte dich nicht!, 
bedeutet, daß sie auferweckt werden, und dann in tiefster Demut anbeten;
- Ich bin der Erste und der Letzte, 
bedeutet, daß Er der Ewige und Unendliche, also der alleinige Gott sei;
(V. 18) und der Lebendige, 
bedeutet Welcher allein das Leben ist und von Welchem allein Leben (kommt) ; - und ward tot, 
bedeutet, daß Er in der Kirche vernachlässigt und Sein Göttlich- Menschliches nicht anerkannt worden sei;
- und siehe, Ich bin lebend in die Zeitläufe der Zeitläu- fe, 
bedeutet, daß Er das ewige Leben sei;
- Amen!, 
bedeutet die göttliche Bestätigung, daß es Wahrheit sei;
- und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes, 
bedeutet, daß Er allein selig machen könne. 

(V. 19) Schreibe, was du gesehen, und was ist, und was nach diesem sein wird, 
bedeutet, daß alles, was jetzt geoffenbart werde, für die Nachwelt sei. 

(V. 20) Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen in Meiner Rechten, und die sieben goldenen Leuchter, 
bedeutet die Geheimnisse in den Gesichten von einem neuen Himmel und einer neuen Kirche;
- die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, 
bedeutet eine neue Kirche in den Himmeln, welche der neue Himmel ist;
- und die sieben Leuchter, die du gesehen, sind sieben Gemeinden, 
bedeutet eine neue Kirche auf Erden, welche das neue Jerusalem ist, das von dem Herrn aus dem neuen Himmel herabsteigt. 
 
Johannes - Kapitel 1

Das Wort ward Fleisch

Ev.Joh.1,1. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

[GEJ 1.1.1] Dieser Vers hat schon eine große Menge von allerleigestaltigen Irrdeutungen und Auslegungen zur Folge gehabt; ja, es bedienten sich sogar barste Gottesleugner eben dieses Textes, um mit dessen Hilfe Meine Gottheit um so sicherer zu bestreiten, da sie die Gottheit im allgemeinen verwarfen. Wir wollen aber nun solche Finten nicht wieder vorführen, wodurch die Verwirrung nur noch größer statt kleiner würde, sondern sogleich mit der möglich kürzesten Erklärung ans Tageslicht treten; diese, als selbst Licht im Lichte des Lichtes, wird von selbst die Irrtümer bekämpfen und besiegen.
[GEJ 1.1.2] Ein Hauptgrund des Unverständnisses solcher Texte liegt freilich wohl leider in der sehr mangelhaften und unrichtigen Übersetzung der Schrift aus der Urzunge in die Zungen der gegenwärtigen Zeit; allein es ist gut also. Denn wäre der Geist solcher Texte nicht so wohl verborgen, als er es ist, so wäre das Heiligste darin schon lange allertiefst entheiligt worden, was da von größtem Übel wäre für die gesamte Erde; so aber hat man nur an der Rinde genagt und konnte zum lebendigen Heiligtume nicht gelangen.
[GEJ 1.1.3] Nun aber ist es an der Zeit, den wahren innern Sinn solcher Texte zu zeigen allen, die da würdig sind, daran teilzunehmen; dem Unwürdigen aber soll es teuer zu stehen kommen, denn Ich lasse bei solcher Gelegenheit mit Mir durchaus keinen Scherz treiben und werde nie einen Handel annehmen.
[GEJ 1.1.4] Nach dieser nötigen Vorerinnerung aber folge nun die Erläuterung; nur bemerke Ich noch das hinzu und sage, daß hier nur der innere, seelisch- geistige Sinn zu verstehen ist, nicht aber auch der allerinnerste, reinste Himmelssinn. Dieser ist zu heilig und kann für die Welt unschädlich nur solchen erteilt werden, die ihn suchen durch ihren Lebenswandel nach dem Worte des Evangeliums. Der bloß innere, seelisch-geistige Sinn aber läßt sich leicht finden, manchmal schon durch die richtige, zeitgemäß entsprechende Übersetzung, was nun sogleich bei der Erläuterung des ersten Verses sich zeigen soll.
[GEJ 1.1.5] Sehr unrichtig und den innern Sinn sehr verhüllend ist der Ausdruck „Im Anfange“; denn dadurch könnte sogar der Gottheit ewiges Dasein bestritten und in Zweifel gezogen werden, was auch von einigen älteren Weltweisen geschehen ist, aus deren Schule die Gottesleugner dieser Zeit auch so ganz eigentlich hervorgegangen sind. So wir aber nun diesen Text recht geben werden, da wird die Hülle nur sehr dünn erscheinen, und es wird nicht schwer sein, den inneren Sinn durch solche leichte Hülle recht wohl und manchmal sehr genau zu erspähen.
[GEJ 1.1.6] Also aber laute die richtige Übersetzung: 
Im Urgrunde, oder auch in der Grundursache (alles Seins), war das Licht (der große heilige Schöpfungsgedanke, die wesenhafte Idee). 
Dieses Licht war nicht nur in, sondern auch bei Gott
das heißt, das Licht trat als wesenhaft beschaulich aus Gott und war somit nicht nur in, sondern auch bei Gott und umfloß gewisserart das urgöttliche Sein, 
wodurch schon der Grund zu der einstigen Menschwerdung Gottes gelegt erscheint, was im nächstfolgenden Texte auch schon von selbst ganz hell ersichtlich wird.
[GEJ 1.1.7] Wer oder was war denn so ganz eigentlich dieses Licht, dieser große Gedanke, diese heiligste Grundidee alles künftigen, wesenhaften, freiesten Seins? – Es war unmöglich etwas anderes als eben Gott Selbst, weil in Gott, durch Gott und aus Gott unmöglich etwas anderes als Gott Selbst nur Sich in Seinem ewig vollkommensten Sein darstellte; und so mag dieser Text auch also lauten:
[GEJ 1.1.8] In Gott war das Licht, das Licht durchfloß und umfloß Gott, und Gott Selbst war das Licht.

Ev.Joh.1,2. Dasselbe war im Anfange bei Gott.

[GEJ 1.1.9] So nun der erste Vers zur Genüge erleuchtet, von jedermann einigen Lichtes leicht begriffen werden kann, so erklärt sich der zweite Vers von selbst und besagt nur zeugnisweise, daß das obbeschriebene Wort oder Licht oder der große Schöpfungsgedanke nicht ein in der Folge des Urgottseins entstandener, sondern ein mit Gott als Selbst Gott gleich ewiger ist und somit nimmer irgend einen einstigen Entstehungsprozeß in sich birgt, darum es denn auch gewisserart zeugnisweise erklärend heißt: Dasselbe war im Anfange oder im Urgrunde alles Seins und alles späteren Werdens als Urgrund selbst bei, in und aus Gott, also Selbst durch und durch Gott.

Ev.Joh.1,3. Alle Dinge sind durch Dasselbe gemacht, und ohne Dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

[GEJ 1.1.10] In diesem Verse bezeugt sich das nur gewisserart als betätigt und handgreiflich, was da schon im ersten Verse sich als das „Wort“ oder „Licht“ im Urgrunde alles Seins und Werdens völlig gegenwärtig, aber noch nicht als schon ausgegangen bewerkstelligt, klar dargestellt hatte.
[GEJ 1.1.11] Es soll demnach dieser dritte Vers rein gegeben auch also lauten: 
Alles Sein ward aus diesem Ursein, 
welches in Sich Selbst ist der ewige Urgrund Seines Seins durch und durch. 
Dieses Seins Licht, Wort und Wille stellte Sein höchst eigen Licht, Seine urewige Schöpfungsidee aus Sich Selbst ins feste beschauliche Dasein, 
und nichts gibt es in der ganzen ewigen Unendlichkeit, was nicht aus demselben Urgrunde und auf demselben Wege ins erscheinliche und beschauliche Dasein getreten wäre.
[GEJ 1.1.12] Wer nun diese drei ganz klar erläuterten Verse vollends aufgefaßt hat, dem ist der Vers 4 schon von selbst notwendig einleuchtend klar.

Ev.Joh.1,4. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

[GEJ 1.1.13] Es versteht sich ja schon bei weitem von selbst, daß ein Urgrundsein alles Seins, das Licht alles Lichtes, der Urgedanke aller Gedanken und Ideen, die Urform als der ewige Urgrund aller Formen fürs erste nicht formlos und fürs zweite nicht Tod sein konnte, da dieser den vollsten Gegensatz alles wie immer gearteten Seins im Grunde des Grundes bezeichnet. In diesem Worte oder Lichte oder in diesem großen Gedanken Gottes in Gott, und im Grunde des Grundes Gott Selbst, war sonach ein vollkommenstes Leben. Gott war also das urewigste, vollkommenste Grundleben in und aus Sich Selbst durch und durch, und dieses Licht oder Leben rief aus Sich die Wesen, und dieses Licht oder dieses Leben war das Licht und also auch das Leben in den Wesen, in den aus Ihm hervorgegangenen Menschen; und diese Wesen und Menschen waren sonach völlig ein Ebenmaß des Urlichtes, das in ihnen das Sein, Licht und also auch ein dem ewigen Ursein völlig ähnliches Leben bedingte.
[GEJ 1.1.14] Da aber das Urleben Gottes ein ganz vollkommen freies ist und sein muß, da es sonst so gut wie gar kein Leben wäre, dieses gleiche Leben aber in den geschaffenen Wesen ein und dasselbe Leben sein muß, ansonst es auch kein Leben und als sonach Nichtleben auch kein Sein wäre, so ist es ja nur zu handgreiflich klar, daß den geschaffenen Wesen, Menschen, nur ein vollkommen allerfreiestes Leben gegeben werden konnte, das sich selbst als ein vollständiges fühlen, aber aus eben diesem Gefühle auch ersehen mußte, daß es kein aus sich selbst hervorgehendes, sondern nur als ein völlig ebenmäßiges aus Gott nach Dessen ewig allmächtigem Willen hervorgegangen ist.
[GEJ 1.1.15] Diese Wahrnehmung mußte in allen geschaffenen Wesen vorhanden sein gleich der, daß ihr Leben und Sein ein völlig Gott ebenmäßiges sein muß, ansonst sie wieder weder ein Leben noch irgend ein Sein hätten.
[GEJ 1.1.16] So wir aber diesen Umstand näher betrachten, so ergibt es sich, daß sich in den geschaffenen Wesen notwendig zwei Gefühle begegnen müssen, und zwar erstens und zunächst das Gefühl der göttlichen Ebenmäßigkeit oder des Urlichtes Gottes in ihnen und zweitens aus eben diesem Lichte aber dann auch notwendig das Gefühl des zeitgemäßen Werdens durch den Urwillen des Schöpfers.
[GEJ 1.1.17] Das erste Gefühl stellt das Geschöpf unbedingt dem Schöpfer gleich und wie aus sich hervorgehend völlig unabhängig von dem ewigen Urgrunde, als gleichsam solchen in sich selbst fassend und bergend; das zweite aus diesem ersten notwendig hervorgehende Lebensgefühl aber muß sich dennoch als ein vom eigentlichen Urgrunde aus sich hervorgerufenes und erst in der Zeitenfolge als in sich selbst als frei manifestiertes und somit vom Haupturgrunde sehr abhängiges ansehen und betrachten.
[GEJ 1.1.18] Dieses demütigende Gefühl aber macht das erste Hoheitsgefühl ebenfalls zu einem Demutsgefühle, was fürs Hoheitsgefühl freilich wohl eine höchst und unumgänglich nötige Sache ist, wie es in der Folge ganz klar gezeigt wird.
[GEJ 1.1.19] Das Hoheitsgefühl streitet ganz gewaltig gegen solch eine Erniedrigung und will das zweite Gefühl erdrücken.
[GEJ 1.1.20] Durch solchen Kampf aber entsteht dann Groll und am Ende Haß gegen den Urgrund alles Seins und aus dem gegen das niedere Demuts- oder Abhängigkeitsgefühl; dadurch erlahmt und verfinstert sich aber dann das Hoheitsgefühl, und es wird aus dem Urlicht im geschaffenen Wesen Nacht und Finsternis. Diese Nacht und diese Finsternis erkennt dann kaum mehr das Urlicht in sich und entfernt sich also, als blind und dabei dennoch selbständig, vom Urgrunde seines Seins und Werdens und erkennt solchen nicht in seiner Verblendung.

Ev.Joh.1,5. Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis begreift es nicht.

[GEJ 1.1.21] Daher mag dann dieses Urlicht leuchten in solcher Nacht, wie es auch leuchten mag; da aber die Nacht, die wohl auch aus dem Lichte entstanden ist, keine ordentliche Sehe mehr hat, so erkennt sie das Licht nicht, das da kommt in solche Nacht, um selbige wieder ins rechte Urlicht umzugestalten.
[GEJ 1.1.22] Sogestaltig kam denn auch Ich als das ewige Ursein alles Seins und als das Urlicht alles Lichtes und Lebens in die Welt der Finsternis zu denen, die aus Mir waren; aber sie erkannten Mich nicht in der Nacht ihres ermatteten Hoheitsgefühls!
[GEJ 1.1.23] Denn dieser 5. Vers deutet eben darauf hin, wie nach und in den ursprünglichen Maßen und Verhältnissen Ich als ganz Derselbe, Der Ich von Ewigkeit war, in diese von Mir und aus Mir geschaffene Welt komme und diese Mich nicht erkennt als ihr eigenstes Grundsein.
[GEJ 1.1.24] Aber Ich als der Urgrund alles Seins mußte ja aus Meinem urewigen Allichte sehen, wie das Hoheitsgefühl als Urlicht in den Menschen durch den fortwährenden Kampf stets matter und schwächer und sonach als Lebenslicht auch dunkler und am Ende gar finster ward, und daß demnach die Menschen, so Ich zu ihnen in dem ihnen aus Mir gegebenen Ebenmaße käme, Mich nicht erkennen würden, wenigstens gar sehr viele nicht, besonders so Ich als ein reiner Deus ex machina ganz unerwartet und unvorbereitet in beschränkter Menschenform zu ihnen käme, und Ich es Mir dann Selbst zuzuschreiben hätte, daß Mich die Menschen als unvorbereitet auf solch Meine Ankunft unmöglich erkennen könnten.
[GEJ 1.1.25] Ja, wohl sah Ich das von Ewigkeit ein und ließ daher den Menschen schon von ihrem ersten aus Mir geschiedenen Entstehen angefangen bis zu Meiner wirklichen Ankunft durch viele tausend Seher, die im Kampfe das Licht nicht verloren, eben solche Meine Ankunft vorhersagen und die Art und Weise und sogar den Ort und die Zeit Meiner Ankunft treulich bezeichnen, und bei Meiner wirklich erfolgten Ankunft ließ Ich große Zeichen geschehen und erweckte einen Mann, in dem ein hoher Urgeist Wohnung nahm, daß er den Blinden verkünde Meine Ankunft und volle Gegenwart auf der Erde.

6 Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. (Matthäus 3.1) (Markus 1.4) 
7 Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten. (Apostelgeschichte 19.4) 
8 Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte von dem Licht.
9 Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 
10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben; (Galater 3.26) 
13 welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. (Johannes 3.5-6)
14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Jesaja 7.14) (Jesaja 60.1) (2. Petrus 1.16-17)
15 Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.
16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 3.34) (Kolosser 1.19) 
17 Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. (Römer 10.4) 
18 Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt. (Matthäus 11.27) (Johannes 6.46)

Das Zeugnis des Täufers über sich selbst

19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? 
  20 Und er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. 
  21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein! (5. Mose 18.15) (Maleachi 3.23) (Matthäus 17.10-13) 
22 Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? Daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? 
  23 Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des HERRN! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
   24 Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern. 
  25 Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, so du nicht Christus bist noch Elia noch der Prophet? 
  26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. (Lukas 17.21) 
27 Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. 
  28 Dies geschah zu Bethabara jenseit des Jordans, wo Johannes taufte.
Das Zeugnis des Täufers vom Lamm Gottes
29 Des andern Tages sieht Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! (Jesaja 53.7) 
30 Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. 
  31 Und ich kannte ihn nicht; sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser.
   32 Und Johannes zeugte und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. 
  33 Und ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft. 
  34 Und ich sah es und zeugte, daß dieser ist Gottes Sohn.
Die ersten Jünger
35 Des andern Tages stand abermals Johannes und zwei seiner Jünger. 
  36 Und als er Jesum sah wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! 
  37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesu nach. 
  38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Meister, wo bist du zur Herberge? 
  39 Er sprach zu ihnen: Kommt und sehet's! Sie kamen und sahen's und blieben den Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.
   40 Einer aus den zweien, die von Johannes hörten und Jesus nachfolgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. (Matthäus 4.18-20) 
41 Der findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden (welches ist verdolmetscht: der Gesalbte), 
  42 und führte ihn zu Jesu. Da ihn Jesus sah, sprach er: Du bist Simon, Jona's Sohn; du sollst Kephas (Fels) heißen. (Matthäus 16.18)
   43 Des andern Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! 
  44 Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. 
  45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesum, Joseph's Sohn von Nazareth. (5. Mose 18.18) (Jesaja 53.2) (Jeremia 23.5) (Hesekiel 34.23) 
46 Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es! (Johannes 7.41)
   47 Jesus sah Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Israeliter, in welchem kein Falsch ist. 
  48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. 
  49 Nathanael antwortete und spricht zu ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! (Psalm 2.7) (Jeremia 23.5) (Matthäus 14.33) (Matthäus 16.16) (Johannes 6.69) 
50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres denn das sehen. 
  51 Und spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn. (1. Mose 28.12) (Matthäus 4.11)    
 
Weisheits- und Willensschulen

[NS 31.1] Was da die geistige Verfassung betrifft, so wird bei den Bewohnern dieser Gürtel alles darunter verstanden, was der Mensch erlernen muß, bis er es zu einem vollkommenen Weisen bringt.

 
"Dann werden dem Menschen durch die Barmliebe Gottes die Gesetze Mosis stark ins Gedächtnis ernst mahnend gerufen vom ersten bis zum letzten und wird ihm aufgetragen die strengste Befolgung derselben..."

Die Erlösung. – 15. Juni 1840.

1] Das ist eine Frage an den L., H.1, H.1, S., welche sie tief in sich gehend in aller Ruhe ihres Herzens beantworten sollen, damit dann auch ihnen geöffnet werde ein kleines Pförtchen in die geheimen Gemächer ihrer Liebe, zu erkennen sich und Meine Liebe, und zu erbrennen in derselben gewaltig zu Mir, der Ich nur allein die Seele erlösen kann durch die Wiedergeburt des Geistes, und durch denselben dann der ganzen Kreatur.
2] Das aber ist die wichtigste und größte Frage: Wie bedingt das mosaische Gesetz die Freiheit des Willens durch Liebe, durch Liebe die Wiedergeburt, und durch die Wiedergeburt das ewige Leben? Warum war die Erlösung nötig an der Seite des mosaischen Gesetzes, da zur Wiedergeburt nichts als die Haltung des Gesetzes aus reiner Liebe zu Mir benötiget wird? Was ist somit die Erlösung, und inwieweit ist sie für den Menschen, und wie kann er Teil daran nehmen? –
3] Die Beantwortung dieser Frage wird jedem sehr schwer werden, der nur seines Verstandes Schärfe daran abzustumpfen wird versuchen; wer aber erbrennen wird in der Liebe und aller Demut zu Mir, der wird die volle Antwort finden treu in seines Herzens Kämmerlein. Meinem armen schwachen Knechte Jakob aber werde Ich die volle Beantwortung geben, damit ihr dann vergleichen könnt die eurige und prüfen euer Herz und die Tiefe der Gemächer der Liebe darinnen. Ich der große Meister in allen Dingen Amen. –

Antwort. (Die Erlösung.) – 17. Juni 1840.

1] Das ist die volle Antwort auf die von Mir am Montag gegebene größte und wichtigste Frage, deren Größe und Wichtigkeit erst in dieser gegenwärtigen Beantwortung leuchtend ersichtlich wird. –

2] Es ist nötig, damit die Antwort vollends eingesehen werden möchte, daß da gezeigt werde das Wesen des Menschen in dessen Natur- und geistiger Sphäre, ohne welche Vorkenntnis es umsonst wäre zu predigen, da das Ganze an den Geist nur gerichtet ist, der aber bei euch noch nicht lebend, sondern auf dem Wege ist, lebend in der Liebe, welche dessen Mutter ist, zu werden. Und damit eurem Geiste die erste Regung gegeben werde, gab Ich euch auch eben diese Frage, an welcher das Leben des Geistes, dessen Wiedergeburt, und sodann erst das ewige Leben in der allerhöchsten Freiheit beruht.

Die Seele

3] Seht, der Mensch ist zusammengesetzt aus einem naturmäßigen Leibe, der da ist ein Gefäß, darinnen sich durch die verschiedenen Organe eine lebendige Seele ausbilde; denn im Entstehen durch die Zeugung wird nur das alleinige Wesen des Leibes konstruiert. Und erst im siebenten Monate, wenn schon das leibliche Wesen organisch, wenn auch noch nicht ganz der Form, doch aber all den Teilen nach ausgebildet wird durch das vegetative Leben der Mutter, – so erst wird in der Gegend der Magengrube ein für eure Augen nicht wahrnehmbares, vom Zeuger herrührendes Bläschen, darinnen die Substanz der Seele enthalten ist, geöffnet und teilt sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mit, umwandelt dann ein in allen Nerven vorfindliches magnetisches Fluidum in die seinige und dringt dann in aller elektrischen Schnelle bald auch in alle übrigen Organe, namentlich aber zuletzt erst in die Herzmuskeln, was gewöhnlich erst am siebenten Tage, bei einigen manchmal etwas später erst geschieht.

Herz, Säfte und Blutkreislauf

4] Dann fängt ganz langsam das Herz an sich auszudehnen durch die allmähliche Füllung der Seelensubstanz, und wenn es so nach und nach voll geworden ist gleich einer elektrischen Flasche, so entladet es sich dann in die Adern durch eine obere Kammer. Dieses entladene Fluidum teilt sich dann allen dort befindlichen Säften mit und zwingt sie in alle Gefäße und so auch dann die in den Gefäßen selbst vorhandenen Säfte zur Bewegung wieder in die Venen und durch dieselben wieder zum Herzen zurück, während welcher Zeit das Herz schon wieder geladen wird und die dahin kehrenden Säfte alsogleich wieder weiterbefördert.

5 Sinne für Substanzenaufnahme und Ausbildung der Seele

5] Und so beginnt dann der Pulsschlag und die Zirkulation der Säfte und etwas später des daraus hervorgehenden Blutes. Dadurch nun bildet sich durch den derart bewirkten beständigen Verkehr und Austausch der Säfte und zwar den des Blutes die Masse des Leibes – und durch die in den feinen Säften enthaltene Substanz die Solidität der Seele elektro-organisch aus. Und wenn dann auch der Magen vollends ausgebildet wurde zur Aufnahme von gröberen Säften aus dem Leibe der Mutter zuerst, zur Unterstützung der an die Bestimmung verwendeten Säfte und des Blutes, dann wird der Mensch abgelöst von den Nährbanden im Mutterleibe und wird geboren in die Außenwelt, begabt mit fünf naturmäßigen äußeren Sinnen, um aufzunehmen die Sinnenwelt oder eigentlich die verschiedenen Substanzen, als des Lichtes, des Schalles, des Geschmackes, des Geruches und endlich des allgemeinen Gefühles, welches alles nun bestimmt ist, auszubilden die Seele und nach deren Bedürfnis wachsen zu lassen den Leib, was dann mehrere Jahre nacheinander geschieht. Und so sind nun zwei Menschen in einem, nämlich zuerst ein materieller und in dem ein substantieller.

Der Geist! 

6] Hier merket wohl auf, – gleich ungefähr drei Tage vor der Geburt aber wird aus der allerfeinsten und zugleich solidesten Substanz der Seele in der Gegend des Herzens ein anderes unendlich feines Bläschen gebildet, und in dieses Bläschen wird ein einst böse gewordener Geist, der da ist dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe, hineingelegt; gleichviel ob der Körper männlich oder weiblich ist, so ist doch der Geist ohne geschlechtlichen Unterschied und nimmt erst mit der Zeit etwas Geschlechtliches an, welches sich durch die Begierlichkeit kundgibt.

Das seelische Denken

7] Nun ist aber dieser Geist noch tot, wie er schon in der Materie seit langen und langen Zeiten war. Da nun die Seele ein imponderables, substantielles Wesen ist, einfach und somit unzerstörbar, und ihre Nahrung erhält durch die Sinne des Leibes durch ihre nun nach und nach vollends ausgebildeten Sinne – als da sind: 
  • gleich den Ohren die Vernunft
  • gleich den Augen der Verstand
  • gleich dem des Geschmackes das Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des Lichtes, 
  • dann gleich dem Geruche die Wahrnehmung von Gut und Böse 
  • und endlich gleich dem allgemeinen Gefühle das Bewußtsein des naturmäßigen Lebens in ihr, welches bewirkt wird durch die beständigen Evolutionen der Säfte und von diesen absorbierten Substanzen –, 
so wird dann die Seele fähig zu denken, welches Denken eigentlich durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in ihren den des Leibes entsprechenden Organen bewirkt wird.

Geistige Organe!

8] Wie aber zuvor die Säfte des Leibes zirkulierend die Wesenheit der Seele ausbildeten durch die ihr von der Außenwelt zugeführten Substanzen, ebenso soll und wird durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in deren Organen der in dem Bläschen eingeschlossene Geist genährt so lange, bis er selbst reif wird, das Bläschen zu zersprengen und somit auch nach und nach alle Organe der Seele zu durchdringen – und wie die Seele im Leibe, so auch er in der Seele ein vollkommener dritter Mensch zu werden durch die Nahrung aus dem Denken der Seele, was auf folgende Weise geschieht:

9] Der Geist nämlich hat eben auch wie der Leib und wie die Seele entsprechende geistige Organe – als 
  • gleich dem Gehöre und der Vernunft die Empfindung oder die Wahrnehmung, 
  • gleich dem Lichte und dem Verstande den Willen
  • gleich dem Geschmacke und dem Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des Lichtes die Aufnahmefähigkeit alles Welttümlichen in entsprechenden Formen, 
  • gleich dem des Geruchs und der Wahrnehmung von Gut und Böse die Einsicht von Wahrem und Falschem und endlich 
  • gleich dem allgemeinen Gefühle und dem Bewußtsein des naturmäßigen Lebens die aus diesem allen hervorgehende Liebe.

Von dem, was den Sinnen geboten wird, hängen die Folgen ab!

10] Und wie nun die Kost des Leibes ist durch all die Sinne, so ist auch die der Seele und endlich auch die des Geistes. Ist die allgemeine Kost schlecht, so wird am Ende alles schlecht und somit auch verwerflich; ist aber die allgemeine Kost gut, so wird am Ende auch alles gut und annehmbar. Nun seht, das sind einmal die natürlichen Bestandverhältnisse zwischen Leib, Seele und Geist. Nun fragt sich, was da eine schlechte und was da eine gute Kost ist? –

11] Seht, alles Weltliche ist schlecht, weil es den Geist wieder zur Welt wendet, aus deren Todeskerkernacht Ich ihn der Materie entriß und gelegt habe in das Herz der Seele, damit er da wieder lebend und geläutert werde von allem sinnlich naturmäßig materiell Weltlichen, und damit er da endlich fähig würde zur Aufnahme des Lebens aus Mir. So nun ihm aber gereicht wird schlechte Kost, so wird er wieder weltlich, sinnlich und endlich materiell und dadurch tot wie vor der Geburt, – so auch die Seele mit dem Leibe, da sie dadurch selbst ganz leiblich geworden ist.

12] Wird nun aber gegeben dem Geiste eine gute Kost, welche ist Mein geoffenbarter Wille und die Vermittlung durch die Werke der Erlösung – oder Meine Liebe im Vollbestande durch den lebendigen Glauben, so wird in dem Herzen des Geistes ein neues geistiges Bläschen gestaltet, in welchem ein reiner Funke Meiner Liebe eingeschlossen wird. Und wie es früher ging bei der Zeugung der Seele und aus derselben der des Geistes, ebenso geht es auch mit dieser neuen Zeugung des Heiligtums. Wird es nun vollends reif, dann zerreißt diese heilige Liebe die lockeren Bande des Gefäßes und strömt dann wie das Blut des Leibes oder wie die feinsten Substanzen der Seele oder wie die Liebe des Geistes in alle Organe des Geistes über, welcher Zustand dann die Neugeburt genannt wird, so wie der der Einlegung dieses Lebensbläschens genannt wird die Eingeburt.

Versuchungen und Rückfall führt zur inneren Trübsal

13] Und siehe, zu gleicher Zeit aber werden auch von der Hölle schon bei der Zeugung, besonders wenn diese als sündhaft auf rein tierische Befriedigung abgesehen war, eine Menge höllischer Liebe-Bläschen in der Gegend des Wanstes und der Geschlechtsteile gelegt, welche dann auch mit Meiner Liebe fast zu gleicher Zeit ausgeboren werden – wie die Raupen im Frühjahre, wenn die Wärme der Sonne kommt, so auch diese Brut durch die aufgehende Wärme Meiner göttlichen Liebe im Geiste des Menschen.

14] Seht, daher kommen denn auch die Versuchungen, da ein jedes dieser ausgebornen Wesen der Hölle unablässig Versuche macht, irgend wo nur immer möglich ins Leben der Seele einzugreifen. Und wenn dann der Mensch nicht kräftig mit der neugebornen Liebe aus Gott selbstwillig den Bestien entgegentritt, so strömen dann sie verheerend in alle Organe der Seele und setzen sich da gleich saugenden Polypen fest an den Stellen, da der Geist einfließen soll in die Seele, und verhindern so der Seele die Aufnahme des Lebens aus dem Geiste und so auch durch ihn das der göttlichen Liebe. So nun der Geist sieht, daß er sich nicht erweitern kann, um eine Fülle des neuen Lebens aus Gott in sich aufzunehmen, so zieht er sich wieder zurück in sein stummes Bläschen – und so in ihm auch noch um so mehr Meine Liebe, die da ist der Gott in den Menschen.

15] Und ist das in dem Menschen vor sich gegangen, dann wird er wieder rein naturmäßig und überaus sinnlich, und auch verloren, weil er nicht weiß, daß solches in ihm vorgegangen ist, da diese Bestien ganz gemächlich wohltuend anfangs die Sinne des Menschen bestechen und ihn so nach und nach ganz gefangennehmen, so daß er von allem, was des Geistes ist, lediglich nichts mehr weiß, hört, sieht, schmeckt und riecht und empfindet. Das ist dann eine Trübsal, dergleichen vom Anfange bis zum Zeitpunkt der Gegenwart nicht war – und auch hinfort nicht mehr sein wird, wenn der Mensch nun seine Zuflucht zu Gott nimmt äußerlich durch Beten, namentlich Meines Gebetes, durch Fasten und Lesen des Wortes aus der Schrift und dadurch eine große Sehnsucht bekommt, befreit zu werden aus der großen Trübsal.

16] Und hat der Mensch das ernstlich genommen, da er sieht in sich der finsteren Zweifel große Menge, so fange Ich dann an, von außen her zu wirken als ein Überwinder des Todes und aller Höllen durch die Werke der Erlösung und gebe dann dem Menschen aus Meiner Erbarmung Kreuz und Leiden nach Meiner Weisheit. Dadurch werden dann dem Menschen die Welt und ihre Freuden so bitter, daß er einen baren Ekel davor bekommt und sich zu sehnen anfängt nach der Befreiung aus dem Leben der Leiden. Und sieh, da nun dadurch diese Bestien keine Nahrung in der Seele mehr bekommen von der sündevollen Außenwelt, so werden sie dann schwach und vertrocknen beinahe ganz in den Organen der Seele und geraten dadurch ganz in einen sich unbewußten Zustand.

17] Da aber nun die außenwirkende seelenerlösende Barmliebe Jesu Christi in die kranken Organe sowohl des Leibes als auch der Seele einzufließen anfängt und erleuchtet die Organe und macht wahrnehmen der Seele in sich als mahnendes Gewissen der Sündenbestien Unzahl, dann erschrickt die Seele, was sich durch die Beklemmung des Herzens und auch wie durch eine innere Zusammenschnürung der Brust in der Magengegend kundgibt, und bittet dann in diesem demütigen Schmerze, welcher sich durch die wahre Reue ausspricht, zu Gott in der gekreuzigten Liebe um Gnade und Erbarmung, – und siehe, dann gewahrt es der Geist und fängt wieder an sich zu regen im Bläschen, dahin er sich zurückgezogen hat.

18] Dann werden dem Menschen durch die Barmliebe Gottes die Gesetze Mosis stark ins Gedächtnis ernst mahnend gerufen vom ersten bis zum letzten und wird ihm aufgetragen die strengste Befolgung derselben, damit er sich demütige und verleugne bis in den innersten Grund, und zwar aus derselben Ursache, als wie eine Wäscherin ihr Tuch so lange balgend in die engsten Gewinde preßt, damit ja selbst die kleinsten Schmutzteile durch das innehaftende Wasser beim Entweichen sollten mitgenommen werden, was so oft wiederholt wird, als nur noch irgendeine Trübe am Wasser bemerkt wird. Dann erst wird eine solche Wäsche unter die Strahlen der Sonne gegeben, damit dieselben noch den letzten Tropfen des Schmutzes verdunstend hinwegnehmen, so daß er dann von den reinen Winden nach allen Seiten vernichtet verweht werde.

19] Und seht, so sind die Gesetze Mosis aus Gott der Zahl nach 10, die eine Zahl Gottes ist, und zeigen, daß der Mensch zuerst glauben muß, daß Ich bin, so er in die Trübsal geraten ist, daß er dann vor Mir die höchste Achtung habe, ja daß er sogar glaube, daß er schuldig ist, aus den sieben Tagen den angeratenen Sabbat zu wählen und denselben zu heiligen in der Ruhe als einen wahren Ruhetag des Herrn, damit er sich lerne verleugnen und immer tiefere und tiefere Blicke in sich zu tun, um dadurch zu erkennen seine Einwohner und sich dann an Mich zu wenden, damit Ich sie auf die obenbesagte Art vernichte und austreibe aus seiner Seele Organe.

20] Und hat er sich bis dahin gedemütigt tief unter Meiner Größe Macht und Stärke, so kommt es nun auf das Wäschebalgen an – das ist und wird verstanden durch genaue Haltung der sieben noch übrigen Gebote, wodurch er sich sogar tief unter seinesgleichen erniedrigen soll, und soll gefangennehmen alle seine bösen Begierden, und solle brechen ganz und gar seinen Willen und untertan machen alle seine Begehrungen und selbst die leisesten Wünsche seines Herzens Meinem Willen; dann werde Ich kommen mit der Liebe und erwärmen die Wohnstätte seines Geistes, wie eine Henne ihre noch nicht ausgeborenen Küchlein. Und seht, dann wird der Geist, der sich früher schon hatte zu regen angefangen, durch die Wärme der göttlichen Liebe neu wieder ausgeboren und strömt wieder alsobald in alle Teile der gereinigten Seele über und schlürft begierig die außenwirkende Barmliebe aus den gereinigten Organen der Seele in sich, wodurch er dann kräftiger und kräftiger wird.

21] Und so nun dann die Liebe Meiner Erbarmung eingedrungen ist in die Tiefe seines Herzens, allwo noch das gar außerordentliche Bläschen der göttlichen Urliebe ruht, dann springt neu das rein göttliche Bläschen wieder, in dem verschlossen war das große Heiligtum der Liebe des ewigen heiligen Vaters, angeregt von der Liebe des Sohnes, die da nun erlösend gereinigt hat die Seele – und strömt dann, sich mit dieser ganz intim vereinend, alsobald in großer Klarheit gleich einer aufgehenden großen Sonne in den ganzen Geist über und somit auch in die Seele und durch diese auch in das gänzlich abgetötete Fleisch. Sodann wird der Mensch lebendig durch und durch, und dieses totale Lebendigwerden ist dann die Auferstehung des Fleisches.

22] Und so dann nun alles durchdrungen wird vom Vater, so wird dann der Sohn vom Vater aufgenommen in den Himmel, das ist in das Herz des Vaters; der Sohn aber nimmt den Geist des Menschen, und dieser die Seele, und die Seele aber den Leib, das ist, den euch schon bekannten Nervengeist, denn alles übrige sind nur Exkremente desselben.

23] Und so nun dann der Vater, das ist, die Liebe des Vaters waltend im Menschen wird, dann wird's licht im selben Menschen, da die Weisheit des Vaters nie getrennt ist von dessen Liebe, – so wird dann auch der Mensch wie voll Liebe, voll Weisheit und Macht und dadurch nun vollends wiedergeboren in aller Liebe und Weisheit. – Seht nun, welche Mühe, Langmut und große Geduld es Mich allezeit kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu können, und wie oft werden selbst von einem solchen Meine Bemühungen verkannt, verachtet, geflucht und mit Füßen getreten, – und seht, doch lasse Ich nie ab, euch beständig zuzurufen: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken! –

24] Doch den Tauben und Blinden ist hart predigen. Da sie sich in die Trübsal der Welt in vollstem Maße gestürzt haben und dadurch ihre Erde, welche ist ihr Fleisch, beschmutzt haben mit dem Fluchkote der stinkenden Hölle, welcher Gestank ist eine wahre Pestilenz der Seele, so muß Ich allzeit wieder eine Sündflut aus den Himmeln regnen lassen, worunter verstanden werden die bitteren Werke der Erlösung. Und ist dadurch dann wieder ganz gewaschen worden das fluchbesudelte Erdreich der Seele, und sind durch die Winde der Gnade wieder ausgetrocknet worden die Sümpfe und Moräste, dann erst ist wieder eine Möglichkeit vorhanden, euch wieder predigen zu können die Wege zum Leben aus Mir.

25] Und so Ich euch nun schon eine geraume Zeit predige, so folget Meiner Stimme und kehret zurück in den Stall Meiner geliebten Lämmer, damit Ich euch werde führen als der alleinige gute Hirt auf der Weide des Lebens und ihr Mir dann Wolle gebet, so weiß wie der Schnee, und Ich euch daraus dann bereiten werde ein Kleid, welches euch schmücken wird in alle Ewigkeit. –

26] Und nun betrachtet weiter den Verfolg dieser Meiner beantwortlichen Lehre und sehet:

27] Wenn aber ein Landmann hat einen kleinen Baumgarten und sieht, daß die Bäumchen darinnen sind lauter Wildlinge, dann denkt er sich, was soll ich tun? Reiße ich sie aus der Erde, so wird mein Garten leer werden, und so ich auch dafür andere hinsetze, so werden es anfangs auch nur Wildlinge sein, und vielleicht nicht einmal so kräftig wie die schon bestehenden. Somit will ich also diese sorgfältig reinigen von all dem bösen Gewürm und deren Nestern und will und werde dann zur rechten Zeit suchen edle Zweiglein von guten Bäumen darauf zu pfropfen. Und so werden diese Wildlinge, die sonst frisch und kerngesund sind, mit Hilfe von Oben gewiß noch alle zurecht kommen, die mir dereinst noch gewiß sicher recht viele gute, süße und edle Früchte bringen sollen. Und seht den klugen Landmann, da er tut, wie er sich weise gedacht hatte, und erhält dafür schon in wenigen Jahren eine reiche, freudenvolle Ernte.

Wahre Hilfe für die Kinder

28] Und seht, ihr Eltern seid lauter solche Landleute, auf deren irdischem oder leiblichem Grunde durch die sorglose hurenartige Weise in aller Unzucht Sodoms und Babels gänzliche und lauter Wildwüchse der Hölle entstanden sind. Daher sollt ihr hernach doppelten Eifers diese Gesträuche reinigen von all dem tausenderlei Ungeziefer, welches darin besteht, daß ihr die größte Sorgfalt verwendet auf all die Wünsche und Begehrungen, welche alle aus dem innewohnenden Höllengeziefer ihren Ursprung nehmen – und vertilget dieselben alle durch die wahre, von Mir euch schon klar angezeigte Weise, und beschneidet gleich anfänglich auch schon die nutzlosen Seitentriebe des öfter gut scheinenden, aber doch stets das Leben des Stammes schwächenden Eigenwillens, so werdet ihr bald einen gesunden und kraftvollen Stamm erzügeln. 
Und so dann die Zeit des Pfropfens kommen wird, das da ist die Bekanntmachung und Einpfropfung des aus Meiner höchsten Liebe ergangenen Gesetzes durch Moses, so werdet ihr unter Meiner kräftigen Mithilfe gewiß sicher erwarten können, daß eure auf diese Art gereinigten und sorgfältig gepflegten Wildlinge gewiß kräftig Meinen Willen ergreifen werden, nachdem ihnen der ihrige zuvor gänzlich benommen wurde, und werden aus demselben in kürzester Zeit in überüppiger Fülle die schönsten und wunderherrlichsten Früchte bringen aller Art, so ihr sie dazu eifrig noch begießen werdet mit dem Wasser des Lebens
damit ihre Häupter bald recht hoch zum Himmel emporwachsen möchten, wodurch sich dann ihr geistiger Gesichtskreis selig erweitern wird und sie dann stets mehr und mehr Gnadenlichtes einsaugen werden, welches in großer Fülle beständig ausströmt aus der Gnadensonne, welche entstanden ist durch das Werk der Erlösung, aus deren Lichte und Wärme alle Kreatur erst neu und endlich vollends wiedergeboren werden kann zum ewigen Leben.

29] Das aber ist die Erlösung, daß erkannt werde der heilige Vater und die Liebe, die – die ganze Welt sühnend und wieder heiligend – am Kreuze blutete und selbst den Missetätern durch den letzten Lanzenstich ins Herz der ewigen Liebe die heilige Pforte zum Lichte und zum ewigen Leben öffnen ließ. Und wie da einer sehend ward und lebendig im Glauben und in der Liebe, so können alle sehend und lebend werden im Glauben, welches ist der wahre Anteil an der Erlösung, damit dann das Bläschen der ewigen Liebe befruchtet werde von neuem durch die Strahlen der Gnadensonne und aufgehe in euch die alte Liebe des Vaters durch die Werke des Sohnes in aller Kraft und Macht des allerheiligsten Geistes aus Beiden in der reinen Liebe eures wiedergeborenen Herzens.

30] Was übrigens das Werk Meiner Erlösung bedeutet und ist, so sage Ich euch: 
  • Fürs erste ist es das allergrößte Werk der ewigen Liebe, da hierdurch Ich der Allerhöchste in aller Fülle Meiner Liebe und in der unendlichen Fülle Meiner Gottheit selbst Mensch, ja euch allen sogar ein Bruder wurde, die ganze Masse der Sünden der Welt auf Meine Schultern nahm und so die Erde reinigte vom alten Fluche der unantastbaren Heiligkeit Gottes; 
  • fürs zweite ist es die Unterjochung der Hölle unter die Kraft Meiner Liebe, die früher nur in der Macht der zornergrimmten Gottheit stand und somit entfernt war von allem Einflusse Meiner Liebe, welche aber ist die furchtbarste Waffe gegen die Hölle, da sie das allerblankste Gegenteil derselben ist, wodurch dieselbe auch schon bei der liebevollen andächtigen Nennung Meines Namens in eine ganze Unendlichkeit zurückgetrieben wird; 
  • und endlich fürs dritte ist sie die Eröffnung der Pforten des Himmels und ewigen Lebens und der getreue Wegweiser dahin; denn sie versöhnt euch nicht nur wieder mit der Heiligkeit Gottes, sondern sie zeigt euch, wie ihr euch vor der Welt erniedrigen müßt, so ihr wollt erhöhet werden von Gott. 
  • Sie zeigt euch ferner, alle Verspottung, Leiden und Kreuz aus Liebe zu Mir und euren Brüdern zu ertragen in aller Geduld, Sanftmut und Ergebung eures Willens, – ja sie lehret euch eure Freunde auf den Händen tragen und eure Feinde zu segnen mit der göttlichen Liebe in eurem Herzen. –

31] Da nun also die Welt aber nichts ist als die blanke Außenform der Hölle und die durch die Erlösung wieder gesegnete Erde auf diese Art zum abermaligen Träger der Hölle würde, so hat sich die Welt über die Erde erhoben und wohnt in hohen Gebäuden im Glanze der Selbstsucht, des Selbsttruges, der Eigenliebe, Prachtliebe, Wollust, des Wohllebens, des Reichtums, des Geizes und des Wuchers und der allgemeinen eigennützigen Herrschsucht. Damit nun aber die Erde nicht schmählich wieder beschmutzt werden möchte, so ist sie gewaschen und geheiligt worden durch das Blut der ewigen Liebe. 

Und wenn auch irgendwo die Schlange sich ihres Unrates entledigt entweder durch Kriege oder durch Rechtshändel, oder durch Räubereien, oder durch Unzucht, Hurerei, Gottesleugnung und Ehebrecherei, naturmäßig und geistlich, – so wirkt dann alsogleich die erlösende Sündflut der gekreuzigten Liebe durch Erweckung von Männern und Sehern Gottes, die dann wieder den Unrat der Schlange vertilgen von der Erde, nachdem sie denselben aufsuchen und in die Vorratskammern der Weltgroßen werfen. Dann ergötzet sich das Weltherz an solchem Schatze, – aber Meine Kinder müssen dann eine kleine Zeit Not leiden, da die Erde auf diese kurze Zeit unfruchtbar wird. So sie aber dann sich flüchten unter Mein Kreuz und hören Meine Stimme reden vom neuen Leben durch den Mund oder durch die Feder Meiner Seher und begießen das mager gewordene Erdreich fleißig mit dem Wasser aus dem Brunnen Jakobs, dann wird die Erde gleich wieder gesegnet und trägt Früchte von der allerschönsten Art, – und diese Früchte sind dann wieder der Anteil am großen Werke der Erlösung, vollbracht am Kreuze.

Für Ehe erst reif wenn wenigstens zur Hälfte geistig wiedergeboren

32] Schließlich muß Ich euch, namentlich den Eltern, diesen Meinen göttlich väterlichen Rat noch hinzufügen, daß ihr eure Söhne ja nicht eher ehelichen lassen sollet, und wären sie auch in allem weltlichen Erhaltungsvermögen dazu wohl versehen – sei es im Amte oder Habe, bevor sie nicht wenigstens zur Hälfte wiedergeboren worden sind, damit dann ihre Weiber durch sie geheiligt werden möchten, um gesegnete Früchte zur Welt zu bringen, die da bald selbst ein Segen des Himmels einer ganzen großen Generation leicht werden, wodurch ihr euch dann ein großes Reich gleich dem des Abraham in den Himmeln gründen werdet, worüber ihr euch freuen werdet ewig mehr und mehr über die stets sich mehrenden Herrlichkeiten, hervorgehend aus eurem gesegneten Samen.

33] Eure Töchter aber gebet Meinen Söhnen, die da sind gekommen aus Meiner Liebe zu euch und haben auf der Welt Mich wohl erkannt, und haben sich ziehen lassen von Meiner Liebe und leiten von Meiner Weisheit, und allezeit hören Meine Stimme und ihre Augen geheftet haben nach Meinem Herzen. Dadurch werdet ihr Mich zum segnenden Schwiegervater eurer Töchter machen. Und Ich sage euch, da ihr Mich dadurch gemacht habt zum nächsten Anverwandten, so könnet ihr euch wohl leicht von selbst denken, daß Ich Meine Mitschwieger dereinst nicht werde zugrunde gehen lassen; und so Ich sage, daß sie in Meinem Hause wohnen werden und an Meiner Haustafel speisen sollen allezeit und gewiß große Freude haben mit den überschönen Enkeln Meiner lieben Söhne und ihrer durch sie gesegneten Töchter, und so sie an Meiner Vaterhand geführt werden in alle Meine Reiche und da schauen werden Meine großen Herrlichkeiten, – dann erst werden sie es fassen, was das heißen will, Mich zum Mitschwieger zu haben!!! – – –

34] Nun sehet, das ist eine vollständige Beantwortung. Sie ist zwar nicht gelehrt, aber was viel mehr ist, sie ist euch aus der Quelle der ewigen Liebe und Weisheit eures heiligen überguten Vaters in aller ewigen Wahrheit treu gegeben gleich einem großen Lichtstrome, einer großen Sonne am hohen Morgen entströmend, der euch durch und durch leuchten wird, so ihr ihn erst nach und nach ganz aufgenommen haben werdet in euren noch ziemlich unerhellten Herzen, was ihr um so deutlicher empfinden werdet, so ihr eure noch sehr schwachen Antworten dagegenhalten – und daraus gewiß klar ersehen werdet, wie viel euch noch mangelt, und wie tief ihr schon in euch gedrungen seid. –

35] Endlich sage Ich euch aber noch, daß eure Antworten tiefer sind als eure Herzen; denn Ich habe sie, eurem besseren Teile angemessen, euch unbewußt in euer Herz gelegt. An Meiner Antwort werdet ihr erst das Wahrzeichen finden, so ihr dadurch in eurer Antwort einen tieferen Sinn entdecken werdet, als welchen seichteren ihr hineinzulegen gedachtet. – Das aber wird euch ein sicheres Zeichen sein, wie tief Ich in euch und wie seicht ihr noch in Mich gedrungen seid.

36] Darum kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn Ich will euch alle erquicken und vollmachen mit Meiner Gnade Amen. Ich die ewige Liebe und Weisheit Amen, Amen, Amen. – – –
 
I GING - 1. Kiën - Das Schöpferische

Oben Trigramm Himmel
Unten Trigramm Himmel
Kernzeichen oben Himmel
Kernzeichen unten Himmel

Herr des Zeichens ist die Neun auf fünftem Platz. Das Schöpferische bezeichnet den Weg des Himmels, und der fünfte Platz ist das Bild des Himmels. Andererseits bezeichnet das Schöpferische den Weg des Edlen, und der fünfte Platz als Platz des Herrschers ist der dem Edlen gebührende Platz. Die Neun auf fünftem Platz besitzt außerdem vollzählig die vier Eigenschaften der Festigkeit, der Stärke, des Maßes (zentrale Stellung im oberen Zeichen) und der Gerechtigkeit (Korrektheit, da als Yangelement auf dem Yangplatz befindlich). Insofern besitzt dieser Strich den Charakter des Himmels in seiner Reinheit.
Das Zeichen ist dem vierten Monat (Mai-Juni) zugeordnet, da die lichte Kraft auf der Höhe ist.

Vermischte Zeichen
Das Schöpferische ist stark.
Der Charakter des Zeichens ist die Kraft und Festigkeit.
Das Bild des Zeichens ist der Himmel verdoppelt, d. h. zwei aufeinanderfolgende Drehungen oder Tage.
Die Gestalt des Zeichens: Es ist aus lauter positiven Strichelementen zusammengesetzt.

Das Urteil
Das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen,
fördernd durch Beharrlichkeit.

Groß fürwahr ist die Erhabenheit des Schöpferischen, der alle Dinge ihren Anfang verdanken und die den ganzen Himmel durchdringt.
Die beiden Paare von Eigenschaften werden in der Erklärung aufgelöst in vier einzelne Attribute der schöpferischen Kraft, die im Himmel ihre sichtbare Gestalt hat. Das erste ist die Erhabenheit, die als die erste Ursache alles dessen, was ist, das bedeutendste und umfassendste Attribut des Schöpferischen bildet. Das chinesische Wort dafür, Yüan, bedeutet eigentlich Haupt.
Die Wolken gehen, und der Regen wirkt, und alle einzelnen Wesen strömen in ihre Gestalt ein.

Hier ist die Erklärung des Ausdrucks Gelingen gegeben. Der Erfolg der Schöpfertätigkeit äußert sich in der Bewässerung, die ein Sprossen und Keimen allen Lebens hervorruft. Während im ersten Paragraphen vom Anfang aller Wesen schlechthin die Rede ist, werden hier die einzelnen individuellen Arten in ihren besonderen Formen genannt. Diese beiden Paragraphen zeigen die Eigenschaften der Größe und des Erfolgs, wie sie sich an der Schöpferkraft in der Natur zeigen. Dementsprechend gestalten sich die Attribute der Erhabenheit und des Gelingens bei dem schöpferischen Menschen, dem Heiligen, der mit der Schöpferkraft der Gottheit in Einklang ist.

Indem der heilige Mensch große Klarheit hat über Ende und Anfang und die Art, wie die sechs Stufen jede zu ihrer Zeit sich vollenden, fährt er auf ihnen wie auf sechs Drachen gen Himmel.
Der heilige Mensch, der die Geheimnisse der Schöpfung versteht, die in Ende und Anfang, in Tod und Leben, Vergehen und Werden liegen, und der versteht, wie diese polaren Gegensätze einander bedingen, der wird erhaben über die Bedingtheit des Vergänglichen. Die Zeit hat für ihn nur die Bedeutung, daß sich in ihr die Stufen des Werdens in klarer Reihenfolge entfalten können. Und indem er jeden Augenblick ganz gegenwärtig ist, benützt er die sechs Stufen des Werdens, als führe er auf Drachen, die als Bild den einzelnen Strichelementen beigegeben sind, gen Himmel. Das ist Erhabenheit und Gelingen des Schöpferischen, wie es sich im Menschen zeigt.

Der Weg des Schöpferischen wirkt durch Veränderung und Umgestaltung, daß jedes Ding seine rechte Natur und Bestimmung erhält und in dauernde Übereinstimmung mit der großen Harmonie kommt. Das ist das Fördernde und Beharrliche.

Hier werden die beiden andern Attribute fördernd und beharrlich in Beziehung auf die Schöpferkraft der Natur erklärt. Die Art der schöpferischen Naturkraft ist nicht Stillstand, sondern dauernde Bewegung und Entwicklung. Durch diese Kraft werden alle Dinge allmählich verändert, bis sie gänzlich in ihrer Erscheinung sich umgestalten. So verändern sich und wechseln die Jahreszeiten und die ganze Welt der Kreatur in ihrem Verlauf. Dadurch bekommt jedes Ding die ihm zukommende Natur, die, von Gott aus gesehen, seine Bestimmung genannt wird. Dies ist die Erklärung des Begriffs fördernd. Indem so jedes Ding seine Art findet, entsteht eine große und dauernde Harmonie der Welt, die durch den Begriff des Beharrlichen (Dauer und Rechtschaffenheit) ausgedrückt wird.
Wenn er sich mit seinem Haupt über die Menge der Wesen erhebt, so kommen alle Lande zusammen in Ruhe.
Hier ist die schöpferische Kraft des Heiligen geschildert, der es dahin bringt, daß alles an den ihm gebührenden Platz kommt und so Frieden auf Erden entsteht, wenn er an hervorragender Herrscherstelle steht.
In diesen Erklärungen ist ein deutlicher Parallelismus zwischen dem Schöpferischen in der Natur und dem Schöpferischen in der Menschenwelt. Die Äußerungen über das Schöpferische in der Natur beruhen auf dem durch das Zeichen symbolisierten Bild des Himmels. Der Himmel zeigt die starke, unendliche Bewegung, die durch ihre Art bewirkt, daß alles zu seiner Zeit kommt. – Die Worte über das Schöpferische in der Menschheit beruhen auf der Stellung des Herrn des Zeichens, der Neun auf fünftem Platz. Der fliegende Drache am Himmel ist das Bild für die Erhabenheit und das Gelingen des heiligen Herrschers. Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen ist die Grundlage für die hervorragende Stellung des Heiligen, durch die die Welt zum Frieden kommt.

Das Bild
Des Himmels Bewegung ist kraftvoll.
So macht der Edle sich stark und unermüdlich.
Die Verdoppelung des Zeichens das Schöpferische ist das Bild der kraftvollen, dauernd wiederholten Bewegung. Den beiden Zeichen ist zu entnehmen, daß man aus sich selber die Kraft schöpft und daß auf jede Handlung eine neue folgt ohne Aufhören.

Die einzelnen Linien

Anfangs eine Neun bedeutet:
  1. Verdeckter Drache, handle nicht!
  2. Verdeckter Drache, handle nicht!
    Das Lichte ist nämlich noch unten.
Der unterste Platz ist sozusagen noch ganz unterhalb der Erde, daher der Gedanke des Verdeckten. Da der Strich aber ein ungebrochener ist, so ist das Bild des Drachen, des Symbols der lichten Kraft, gewählt.

Neun auf zweitem Platz bedeutet:
  1. Erscheinender Drache auf dem Feld.
    Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.
  2. Erscheinender Drache auf dem Feld.
    Der Charakter wirkt schon ins Weite.
Der zweite Platz ist die Oberfläche der Erde, daher der Gedanke des Felds. Das Erscheinen auf dem Feld und das Erblicken des großen Mannes wird dadurch angedeutet, daß der Charakter des Strichelements sehr einflußreich ist, denn es ist zentral gestellt (an zweitem Platz, d. h. in der Mitte des unteren Zeichens) und steht außerdem noch zum Herrscher in der Beziehung des Platzes und der Gemeinsamkeit des Wesens.

Neun auf drittem Platz bedeutet:
  1. Der Edle ist den ganzen Tag schöpferisch tätig.
    Des Abends noch ist er voll innerer Sorge.
    Gefahr. Kein Makel.
  2. Der Edle ist den ganzen Tag schöpferisch tätig.
    Man geht hin und her auf dem rechten Weg.
Der dritte Platz als Platz des Übergangs aus dem unteren ins obere Zeichen ist an sich unruhig und daher häufig nicht eben günstig. Hier aber infolge des einheitlichen Charakters aller einzelnen Striche ist auch dieser Übergang nur ein Zeichen unermüdlicher Tätigkeit, die auf dem Weg zur Wahrheit hin- und herführt. Das Hin und Her bedeutet, daß man erst im Begriff ist, sich moralisch zu festigen.

Neun auf viertem Platz bedeutet:
  1. Schwankender Aufschwung über die Tiefe.
    Kein Makel.
  2. Schwankender Aufschwung über die Tiefe.
    Der Fortschritt bedeutet keinen Fehler.
Hier ist die obere Grenze des Bereichs der Menschen im Zeichen erreicht. Ein Fortschritt zu ebener Erde ist nicht mehr möglich. Man muß wagen, den Boden unter den Füßen aufzugeben, um weiter voranzukommen, sich ins Bodenlose und Einsame aufschwingen. Hier ist der Einzelne frei – eben infolge der Möglichkeit der Lage. Jeder muß sein Schicksal selbst bestimmen.

Neun auf fünftem Platz bedeutet:
  1. Fliegender Drache am Himmel.
    Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.
  2. Fliegender Drache am Himmel.
    Das zeigt den großen Mann bei der Arbeit.
Hier ist der Herr des Zeichens auf ausgezeichnetem Herrscherplatz; darum ist er symbolisiert als fliegender Drache am Himmel.

Oben eine Neun bedeutet:
  1. Hochmütiger Drache wird zu bereuen haben.
  2. Hochmütiger Drache wird zu bereuen haben.
    Denn was voll ist, kann nicht dauern.
Alles, was die äußerste Stufe erreicht hat, muß infolge des Gesetzes der Veränderung umschlagen.


 
Bhagavad Gita (Gesang Gottes)
Erstes Kapitel: Arjunas Niedergeschlagenheit
DHRTARASHTRA SPRACH *

1. Im heilgen Land, im Kuru-Land, zusammentreffend kampfbereit,
Was taten dort, o Sanjaya, die Meinen und die Pândava?
SANJAYA SPRACH *
2. Als nun Duryodhana das Heer der Pândus aufgestellet sah,
Da trat er zu dem Lehrer hin, der König, und sprach dieses Wort:
DURYODHANA SPRACH *

3. Sieh dort der Pându-Söhne Heer, o Lehrer, das gewaltige,
Von deinem Schüler aufgestellt, dem klugen Sohn des Drupada.
4. Da stehen Helden, Pfeilschützen, dem Arjuna und Bhima gleich,
Yuyudhâna und Virâta und Drupada, der Wagenheld.
5. Dhrishtaketu, Cekitana und Kâcis heldenhafter Fürst,
Purujit und Kuntibhoja und Shaivya auch, der Männerstier.
6. Yudhâmanyu, der tapfre Held, und Uttamaujas, kraftbegabt,
Subhadrâs Sohn, der Draupadi Söhne, auf hohen Wagen all.
7. Die Besten aber auch bei uns nimm, bester der Brahmanen, wahr,
Die Führer dieses meines Heers, - dich zu erinnern, nenn‘ ich sie:
8. Du selbst und Bhîshma, Karna auch und Kripa, der im Kampfe siegt,
und Vikarna, wie auch des Somadatta Sohn;
9. Und viele andre Helden noch, ihr Leben opfernd meinethalb,
Schwingend der Waffen mancherlei, sie alle mit dem Kampf vertraut.
10. Nicht ist genügend unser Heer, ob Bhîshma auch sein Führer ist,
Genügend aber ist ihr Heer, an dessen Spitze Bhîma steht.
11. In all den Heeresreihen hier am rechten Platze aufgestellt,
Sollt denn ihr all, wie viel ihr seid, den Bhîshma schützen, wie ihr könnt.
SANJAYA SPRACH *
12. Drauf ihm erweckend Kampfesmut blies laut das Muschelhorn der Greis,
Der hehre Ahn des Kuru-Stamms, daß es wie Löwenbrüllen scholl.
13. Die Muscheln und die Pauken drauf, die Trommeln und Drommeten all,
Die wurden da mit Macht gerührt, daß zum Getöse wuchs ihr Schall.

14. Auch Krishna und des Pându Sohn bliesen die Himmelsmuscheln laut,
Auf hohem Wagen stehend da, von lichten Rossen fortgeführt.
15. br> Krishna die Dämonsmuschel blies, die Gottgeschenkte Arjuna,
Die große Muschel Paundra blies der Schreckensmann Wolfseingeweid.
16. Die Siegesmuschel blies der Fürst, der Kuntî Sohn Yudhishthira,
Doch Nakula und Sahadev auf Tonreich und Juwelenblüt.
17. br> Der Kâshi-Fürst, der beste Schütz', und Shikhandin, zu Wagen hoch,
Virâta, Dhrishtadyumna und Satyakas unbesiegter Sohn;
18. Drupada samt der Enkel Schar und Abhimanyu, starken Arms,
Sie bliesen all, o Erdenherr, auf ihren Muscheln hier und dort.
19. Und dies Getön zerspaltete der Dhritarâshtra-Söhne Herz,
Da es den Himmel und die Erd' von wirrem Lärm erdröhnen ließ.
20. Als Arjuna nun vor sich sah der Dhritarâshtra-Söhne Schar,
Und der Geschosse Regen schon begann, hob er den Bogen hoch;
21. Sodann, zu Krishna hingewandt, sprach er dies Wort, o Erdenherr:
ARJUNA SPRACH *
Inmitten beider Heere hier halt', Ewiger du, den Wagen an!
22. Bis ich mir diese angesehn, die kampfbegierig stehn in Reihn, -
Mit wem ich denn da kämpfen soll im heißen Mühen dieser Schlacht.
23. Zum Kampf bereit seh' ich sie stehn, die hier am Ort versammelt sind,
Dem argen Dhritarâshtra-Sohn im Streite ihren Arm zu leihn.
SANJAYA SPRACH *
24. Also gemahnt von Arjuna hielt Krishna gleich, o Bhârata,
Inmitten beider Heere dort den herrlichsten der Wagen an.
25. Vor Bhîshma und vor Drona dann, und vor den Erdenherrschern all
(SHRI-KRSHNA SPRACH) *
Sprach er: Sieh, Sohn der Prithâ, dort herbeigeströmt der Kuru Schar!
(SANJAYA SPRACH) *

26. Da sah der Sohn der Prithâ stehn die Väter und Großväter dort,
Lehrer, Brüder und Oheime, Söhne, Enkel und Freunde auch;
27. Schwäher wie auch Gefreundete, in beiden Heeren gleicherweis;
Als alle die Verwandten dort der Kunti Sohn kampffertig sah,
28. Von höchstem Mitleid übermannt, sprach er kleinmütig dieses Wort:
ARJUNA SPRACH *
Ich sehe der Verwandten Schar, o Krishna, kampfbereit genaht,
29. Da werden meine Glieder schwach und es verdorret mir der Mund,
Ein Zittern geht durch mein Gebein und meine Haare sträuben sich;
30. Gândiva sinkt mir aus der Hand, die Haut an meinem Körper brennt,
Nicht länger kann ich aufrecht stehn, wie unstät irrt mein Geist umher.
31. Und Zeichen schau ich, aber ach, gar böse Zeichen, Keshava!
Kein Heil mehr seh' ich, wenn im Kampf ich die Verwandten umgebracht.
32. Krishna, den Sieg begehr' ich nicht, noch Herrschaft, noch die Freuden all!
Was soll die Königsherrschaft uns, was der Genuß, das Leben selbst?

33. Um derentwillen wünschenswert Herrschaft, Besitz und Freuden sind,
Die stehn in Reihen hier, im Kampf aufopfernd Leben, Hab und Gut.
34. Lehrer, Väter und Söhne sind's und ebenso Großväter auch;
Oheime, Schwäher, Enkel sind's, Schwäger wie auch Verwandte sonst.
35. Diese zu töten wünsch' ich nicht, und sollten sie mich töten auch,
Selbst um der Dreiwelt Herrschaft nicht, - wie denn um Erdenherrschaft nur?
36. Wenn Dhritarâshtras Söhne wir gefällt, wie würden je wir froh?
Die Sünde haftete uns an, wenn diese Gegner wir gefällt.
37. Darum nicht dürfen töten wir der blutsverwandten Kuru Schar;
Wenn wir den eignen Stamm gefällt, wie könnten je wir glücklich sein?
38. Und wenn auch diese es nicht sehn, durch Gier beraubet des Verstands,
Daß Sünde im Verwandtenmord und Schuld in Freundeskränkung liegt;
39. Wie sollten wir's verstehen nicht, vom Bösen uns zu wenden ab,
Die wir doch den Verwandtenmord als Sünde deutlich vor uns sehn?
40. Bei Stammesmord zu Grunde gehn die alten Stammespflichten auch;
Ist dies geschehn, bemächtigt sich das Unrecht bald des ganzen Stamms.
41. Dann, durch des Unrechts Übermacht, sind bald verderbt des Stammes Frau'n,
Und sind die Frauen erst verderbt, tritt auch die Kastenmischung ein.
42. Die Mischung führt zur Hölle hin die Stammesmörder wie den Stamm;
Verlust der Manenopfer stürzt die Väter aus der Sel'gen Reich.
43. So durch der Stammesmörder Schuld, die selbst zur Kastenmischung führt,
Auflösen sich die ewigen Standes- und Stammespflichten all.
44. Wo aber in der Menschenwelt die stammespflichten aufgelöst,
Folgt unausweichlich Höllenpein als Strafe - also hörten wir.
45. O weh, wie schwere, sünd'ge Tat sind wir entschlossen hier zu tun,
Da aus Begier nach Thron und Glück wir morden wollen unsern Stamm!
46. Wenn wehrlos, ohne Widerstand, die Dhritarâshtra-Söhne mich
Erschlagen wollten in dem Kampf, - fürwahr, mir würde wohler sein!
SANJAYA SPRACH *
47. So sprach im Kampfe Arjuna und ließ im Wagen nieder sich,
Ließ fahren Pfeil und Bogen da, durch Schmerz verwirrt in seinem Geist.
 
- 1 -


Wassermann


[ER 22.3] So heißt es: Im Krebse, im Skorpion, in der Waage und im Wassermann ist nicht gut zu säen, weil die Früchte da gern früher zugrunde gehen, ehe sie zu keimen anfangen; dergleichen Regeln gibt es eine Menge, von denen sich auch so manche euch wohlbekannte Witterungslostage herdatieren. Daß solches unter den Leuten noch heutigestags, freilich sehr verunstaltet, vorhanden ist, unterliegt sicher keinem Zweifel. Bauernkalender sind noch heutigestags Witterungspropheten und zeigen jeden Tag an, welches Himmelszeichen auf ihn Einfluß nimmt, und das jeden Monat auf eine doppelte Weise; fürs erste, wie der Mond die Himmelszeichen durchläuft, und fürs zweite, unter welchem Zeichen sich die Sonne befindet, und in welches sie geht.


Mathael über die Tierkreiszeichen

[GEJ 3.101.7] Sagt Helena: „Die Sterne haben mich schon von meiner frühesten Kindheit an im höchsten Grade interessiert, und ich merkte mir bald eine Menge der sogenannten Sternbilder. Die des Zodiakus (Tierkreises) wurden mir als die wichtigsten zuerst gezeigt. Ich lernte sie im Verlaufe von einem Jahre vollkommen kennen, und nachher ging es auch mit den andern wunderschönen Sternbildern und selbst mit den einzelnen großen Sternen. Ich kenne dir die Sterne alle beim Namen, weiß, wie sie stehen, und wann sie in jedem Monate auf- und untergehen; aber was nützt dir alles das!? Je mehr ich mich mit diesen herrlichen Himmelslichterchen abgab, desto mehr wurden sie für mein Gemüt jene harten Fragezeichen, auf die bis jetzt noch kein Sterblicher eine befriedigende Antwort gefunden hat. Da ich aus den lieben Sternen aber nichts herausbringen konnte, so beschäftigten mich um desto mehr ihre Namen, die natürlich schon uralt sein müssen.
[GEJ 3.101.8] Wer entdeckte zuerst den Zodiakus und gab den zwölf Bildern die Namen? Warum bekamen sie gerade diese Namen, die wir kennen, und warum keine andern nicht so sonderbarer Art und Gattung? Was hat der Löwe mit einer Jungfrau zu tun, was ein Krebs mit den Zwillingen, was ein Skorpion mit einer Waage, was ein Steinbock mit dem Schützen? Wie kommen ein Stier und ein Widder ans Firmament, wie ein Wassermann mit den Fischen?
[GEJ 3.101.9] Es ist überhaupt merkwürdig, daß sich im Tierkreise auch vier Menschenbilder und das Bild einer Sache befinden. – Kannst du mir davon irgendeinen Grund angeben, so wirst du mich dir sehr verbindlich machen!“
[GEJ 3.101.10] Sagt Mathael: „O holdeste Helena, nichts leichter als das! Habe du nur eine kleine Geduld während meiner Erklärung, und es wird dir die Sache hernach ganz klar sein!“

102. — Mathael erklärt die Namen der drei ersten Sternbilder

[GEJ 3.102.1] (Mathael:) „Die Erfinder des Zodiakus waren offenbar die Urbewohner Ägyptens, die fürs erste ein viel höheres Alter erreichten als wir, fürs zweite einen stets allerreinsten Himmel hatten und die Sterne viel leichter und anhaltender beobachten konnten als wir bei unserem öfters dichtumwölkten Himmel, und fürs dritte schliefen den heißen Tag hindurch fast die meisten Menschen und begaben sich erst abends ins Freie und verrichteten ihre Arbeiten die kühle Nacht hindurch, wo sie dann stets die Sternbilder im Angesichte hatten, sich die unveränderlichen Figuren derselben denn auch bald merkten und ihnen auch Namen gaben, die mit irgendeiner in einer bestimmten Zeit eintretenden Naturerscheinung oder mit einer Verrichtung dieses Landes übereinstimmten.
[GEJ 3.102.2] Vielfaches Betrachten des Zodiakus führte die Betrachter bald auf die Wahrnehmung, daß der Zodiakus ein großer Kreis ist, der in zwölf nahe gleiche Teile geteilt, in jedem dieser Teile ein für sich stehendes Sternbild hat.
[GEJ 3.102.3] Schon die ältesten Menschen hielten die Sterne von der Erde entfernter als die Sonne und den Mond und ließen darum die Sonne samt dem Monde innerhalb des großen Tierkreises bahnen.
[GEJ 3.102.4] Aber der Tierkreis bewegte sich auch also, daß die Sonne, die zwar alle Tage um die Erde kam, durch die große Tierkreisbewegung in dreißig Tagen unter ein anderes Zeichen zu stehen kam. Daß aber auch der Mond in ein paar Tagen stets unter ein anderes Zeichen kam, erklärten sie aus seinem langsameren täglichen Laufe um die Erde, wodurch er nie zur selben Zeit wie die Sonne auf dieselbe Stelle wieder kam, – daher man den Mond denn auch oft ,das saumselige Gestirn‘ nannte.
[GEJ 3.102.5] Es gab aber einige Weise, die vom Monde gerade das Gegenteil behaupteten; doch war die Lehre von des Mondes Saumseligkeit vorwiegender.
[GEJ 3.102.6] Sieh, so entstand der alte Zodiakus, und nun sollst du auch in aller Kürze noch erfahren, wie die bekannten zwölf Sternbilder zu ihren sonderbaren Namen kamen!
[GEJ 3.102.7] In der Jahreszeit der kürzesten Tage, die besonders in Ägypten stets vom Regen begleitet wird (und mit dieser als einer dadurch leicht merkbaren Zeit von dreißig Tagen ließ man stets auch ein neues Jahr beginnen), befand sich nach der Rechnung der Alten die Sonne gerade unter dem Sternbild, das uns als ,Wassermann‘ bekannt ist; darum gab man dem Sternbild fürs erste eine Gestalt der eines Hirten ähnlich in dem Moment, so er mit seinem Wassereimer zum zur Tränke der Haustiere angefertigten Wasserkasten kommt und den vollen Wassereimer in den Tiertränkkasten ausschüttet. Die Alten nannten solch einen Menschen einen Wassermann (Uodan), und so benannten sie fürs zweite das Sternbild also und fürs dritte auch diese Zeit. Später machte die eitle Phantasie der Menschen auch bald einen Gott aus diesem an und für sich recht guten Sinnbild und erwies ihm eine göttliche Verehrung [Daher dürfte auch der nordische "Gott" Wotan kommen, das ähnlich wie Uodan klingt], weil er als der Beleber der verdorrten Natur angesehen ward. – Siehe, holdeste Helena, also bekamen das bewußte erste Sternbild und die erste dreißigtägige Regenzeit ihren Namen. Gehen wir nun zum zweiten Zeichen über, das man die ,Fische‘ nennt!“

Fortsetzung unter "2"



Weitere Erklärung: 



[GEJ 10.193.10] Mit der Zeit war man mit diesem Feldzeitmaßinstrument, mit dem man aber doch in der Nacht keine Zeit messen konnte, nicht mehr zufrieden, widmete den Gestirnen eine stets intensivere Aufmerksamkeit und erfand die euch bekannten zwölf Sternbilder und gab ihnen Namen nach den in Ägypten von Monat zu Monat eintretenden, ganz natürlichen Erscheinungen – worunter auch vier menschliche Namen vorkamen: der Wassermann, die Zwillinge, der Schütze und die Jungfrau – und nannte die Sternbilder zusammen den Tierkreis.


 
Die natürliche Erde

Natürliche und metaphysische oder geistige Darstellung des Mittelpunktes der Erde.

1. Kapitel – Der Schwerpunkt der Erde.

28. Dezember 1846

[ER 1.1] Wenn ihr einen Körper, wie gestaltig er auch immer beschaffen sein mag, mit prüfendem Geiste und Auge betrachtet, so werdet ihr leicht und bald gewahr, daß an diesem Körper drei Dinge beobachtet werden, und zwar zuerst seine bildliche Außengestalt, d.i. seine Form mit all den natürlichen Attributen, als da sind sein Umfang, seine Oberfläche nach allen Seiten und die Färbung dieser Oberfläche; fürs zweite werdet ihr an diesem Körper notwendig ein gewisses Volumen wahrnehmen, das irgend einen Durchmesser nach der Länge, Breite und Dicke hat, welches Volumen des Körpers nach seiner Art irgend ein Gewicht oder eine Schwere nach irgend einer Richtung hin ganz besonders erkennen läßt.
[ER 1.2] So ihr z.B. irgend einen Stein oder auch einen anderen regelmäßigen oder unregelmäßigen Klumpen beobachtet, so wird es sich bald zeigen, daß dessen Schwerpunkt sich nicht an allen Teilen desselben gleich beurkundet; besonders könnet ihr das bei einem etwas unförmigen Holzpflocke dadurch am leichtesten ersehen, so ihr denselben auf das Wasser leget, wo er immer seinen Schwerpunkt sicher am tiefsten in das Wasser senken wird. Das wäre sonach der zweite Punkt, den jedermann bei jedem Gegenstande leicht finden kann.
[ER 1.3] Der dritte Punkt bei einem Körper ist dessen wirkliches Zentrum, welches aber jedoch niemals mit dem Schwerpunkte eines Körpers zu verwechseln ist; und es hat sonach jeder Körper zwei Mittelpunkte, nämlich einen der Schwere und einen seines körperlichen Maßes. Ihr möget auch Körper von was immer für einer Art sogestaltig prüfen, und nimmer werdet ihr es finden, daß der Schwere-Mittelpunkt und das Körpermaß-Zentrum völlig in eines zusammenfallen; nicht einmal bei einer vollkommen mathematisch richtig gegossenen Metallkugel, und das aus dem Grunde, weil durchaus kein Körper aus so vollkommen gleichen Teilen besteht, denen zufolge der Schwerpunkt mit dem eigentlichen Körpermaßmittelpunkte vollkommen in eines zusammenfallen könnte.
[ER 1.4] Nehmet ihr z.B. einen reinen Stahl als einen unter allen Metallen solidesten Metallkörper, brechet eine solche Stahlstange entzwei, und ihr werdet an dem weißen Bruche leicht das kristallische Gefüge erkennen, welches dem freien Auge wohl frappant gleichförmig vorkommen wird; aber mit einem Mikroskope beobachtet, wird diese Bruchfläche ein Aussehen bekommen, als wie der Anblick solches kundgibt, so jemand von einem hohen Berge unter sich allerlei größere und kleinere Erhöhungen entdeckt. So aber solch ein Unterschied in dem kristallischen Gefüge eines der solidesten Metallkörper wahrgenommen werden kann, um wieviel größer ist solch ein Unterschied erst bei jenen bei weitem unsolideren Körpern, deren kristallinisches Gefüge sich oft zwischen groß und klein, dicht und weniger dicht schon für das freie Auge leicht wahrnehmbar beurkundet; und es ist demnach obiger aufgestellter Satz um so vollkommener wahr, daß der Schwere-Punkt und der Körpermaß-Mittelpunkt niemals in eines zusammenfallen können.
[ER 1.5] Diesen Grundsatz könnte auch jedermann bei der Bereitung einer Waage sehr leicht erschauen. Es solle jemand aus möglichst gleich dichtem Metalle einen vollkommen mathematisch ebenmäßigen Waagbalken konstruieren, selben dann in die Waaggabel hängen, und er wird sich überzeugen, daß selbst bei solch einer höchst mathematisch richtigen Ebenmäßigkeit die beiden Waagebalken oder vielmehr die beiden Teile desselben Waagebalkens niemals vollkommen eine horizontale Ebene bilden werden, sondern der eine wird dem andern etwas vorschlagen, und der Fabrikant der Waage wird dann entweder auf der einen oder auf der andern Seite dem Waagebalken mit einer Feile oder mit einem Hammer zu Hilfe kommen müssen. Die Ursache von dem liegt natürlich in obigem Grundsatze.
[ER 1.6] Wie sich aber sonach bei allen Körpern dieses Verhältnis kundgibt, also ist dasselbe um so mehr bei denjenigen Körpern vollkommen eigentümlich zu Hause, die nicht durch Menschenhände eine Form erhielten, sondern die Meine Kraft so gestaltet hat, wie sie gestaltet sein müssen, um zu bestehen. Es läßt sich daher Schwerpunkt und Maßmittelpunkt so wenig auf einem und demselben Platze denken, als positive und negative Polarität.
[ER 1.7] Ihr werdet freilich wohl fragen: Wie ist das zu verstehen? Da frage Ich aber, euch eben darüber belehrend, entgegen: Warum finden sich bei einem magnetischen Stabe die beiden Pole nicht in der mathematischen Mitte desselben, sondern nur zumeist an den beiden Enden eines solchen Stabes?
[ER 1.8] Warum ist das Keimhülschen bei einem Samenkorne nicht in der Mitte desselben, sondern zumeist nur an einem Teile des Samenkornes, während desselben Mittelpunkt und dessen entgegengesetzter Pol sich zumeist um ein bis drei Viertelteile des ganzen Samenkörperinhaltes von dem Keimhülschen weiter körperein- und auswärts befinden?
[ER 1.9] Warum hat weder der Mensch noch irgend ein Tier das Herz nicht in seinem Maßzentrum?
[ER 1.10] Sehet, aus diesen Fragen geht schon von selbst erläuternd hervor, daß der Schwerpunkt eines Körpers ganz etwas anderes als wie dessen Maßmittelpunkt ist.
[ER 1.11] Wenn es sich demnach um die Enthüllung des Mittelpunktes der Erde handelt, so ist darunter nicht so sehr der Maßmittelpunkt, als wie vielmehr der eigentliche Lebens- oder Schwerpunkt der Erde zu verstehen; denn eine Enthüllung des bloßen Maßmittelpunktes der Erde wäre, genau betrachtet, eine überaus bedeutende Lächerlichkeit, was sich aus dem sehr leicht ersehen läßt, so man den Mittelpunkt eines jeden Körpers, somit auch den der Erde, nur als ein ideales Pünktchen annehmen muß, das schon nach euren mathematischen Begriffen richtig definiert ein Etwas ist, welches weder in die Länge, noch in die Breite, noch in die Dicke auch nur den denkbar möglich kleinsten Durchmesser zuläßt, somit sicher in seiner Art das Allerminutissimum aller Dinge ist, und ihr es sicher annehmen könnt, daß schon in einem atomistischen Tierchen, das nicht einmal das stärkste Sonnenmikroskop mehr zu entdecken imstande ist, wohl sicher noch zahllose Milliarden von solchen Punkten Platz hätten. Frage demnach: Was wohl hätten wir von diesem endlos kleinen Wesen, das so ganz eigentlich in das barste Nichts verschwindet, zu enthüllen? Man dürfte bloß sagen: Der Mittelpunkt der Erde besteht aus nichts, so wäre er auch schon vollkommen naturmäßig und geistig enthüllt. Denn das Nichts ist sowohl körperlich als geistig betrachtet gleichbedeutend; denn wo nichts ist, da hört ganz natürlich alles auf, und es ist ein Nichts natürlich und geistig auch wirklich in nichts anderem denkbar als in einem solchen mathematischen Maßmittelpunkte, – aus welchem Grunde wir uns denn auch von diesem wenigsagenden Mittelpunkte der Erde entfernen wollen und wollen uns zu dem überaus vielbedeutenden Schwerpunkte der Erde wenden, welcher natürlich voluminöser und bei einem so großen Körper, wie die Erde da ist, auch von einer bedeutend voluminösen Ausdehnung sein muß, um auf ihre eigentümliche weltkörperliche Lebenstätigkeit den entsprechend wirkenden Ausschlag zu geben.
[ER 1.12] Ich sehe es euch schon durch und durch an, daß ihr in euch schon fraget: Wie sieht dieser Schwerpunkt der Erde dann aus? Woraus besteht er? Ist er ein Diamantklumpen, oder ist er etwa pures Gold oder Eisen oder etwa gar Magnet? Oder ist er etwa gar ein hohler Raum, erfüllt mit nichts als einem ewig unerlöschlichen Feuer, und dient etwa wohl gar zum Aufenthalte der Verdammten und führt den respektablen Titel „Hölle“, von der die hie und da auf der Erde verstreuten feuerspeienden Berge gewisserart etwa Kamine sind?
[ER 1.13] Da sage Ich: Von allem dem ist im Schwerpunkte der Erde keine Rede, ebensowenig wie physisch genommen bei dem Herzen eines Menschen von allem dem die Rede sein kann. Das Herz ist weder ein Diamant noch ein Goldklumpen, noch ist es Eisen und Magnetstein und ebensowenig ein hohler, mit Feuer erfüllter Raum, sondern das Herz ist physisch betrachtet ein überaus kunstvolles Zellengewebe, innerhalb dessen die lebendige Seele, und in ihr der Geist des Menschen, wie ein Weber auf seinem Webstuhle tätig ist und auch sein kann, weil dieser Webstuhl zur Bildung des natürlichen Lebens und zur zeitgerechten Erhaltung desselben gerade so eingerichtet ist, daß durch seine kunstgerechte Konstruktion in den Händen der Seele alles das erzeugt werden kann, was zur Darstellung des physischen Lebens notwendig ist. Ist dieser Webstuhl einmal in seiner natürlichen Konstruktion in irgend etwas untüchtig geworden, so geht es dann mit dem Forterzeugen des physischen Lebens nicht mehr so ganz recht vonstatten. Ist er aber endlich vollkommen untüchtig und ungeschickt geworden, dann kann ihn die Seele auch nicht mehr brauchen, und es ist dann Zeit für sie, diese eitle Werkstatt zu verlassen.
[ER 1.14] Sehet, ebendasselbe ist der Schwerpunkt der Erde. Wie? Das wird der Gegenstand unserer nächsten Betrachtung sein.
 
 
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